02 20 Magazin für Architektur, Garten und Lebensart

Weiße Pracht

Auf einem großen Grundstück zwischen Wald und Wiesen schuf oxen architekten eine großzügige zweigeschossige Villa, die sich ins herrliche Grün öffnet.

Am Rande der Stadt Wuppertal im Bergischen Land befindet sich das leicht abschüssige Grundstück: 2.000 qm geprägt von Wald und Wiesen durch angrenzende Naturschutzgebiete, in direkter Nachbarschaft einzelner Häuser aus den 60er- und 70er-Jahren auf großzügigen Grundstücken, sehr verkehrsgünstig gelegen an die unmittelbare Stadt ­Wuppertal und an naheliegende Autobahnen. Als die Bauherren es kauften, war es mit einer Fabrikantenvilla aus den 70er-Jahren bebaut. Doch nach heutigen räumlichen und gestalterischen Anforderungen genügte es nicht mehr. Ein Umbau des Gebäudes kam für die neuen Eigentümer nicht in Frage. So ergab sich als Lösung nur der Abriss des Bestandes. Es entstand ein flacher, lang gestreckter Baukörper zur Straßenseite hin, mit fünf PKW-Stellplätzen und Eingang – ansonsten zur Straße hin abgeschottet. Das weit überstehende auskragende Dach schützt den Hauszugang vor der regen- und schneereichen Witterung des Bergischen Landes. Der fast schon geduckte, nahezu geschlossene Flachdachbau zur Straßenseite hin entpuppt sich zur Hangseite als eine großzügige zweigeschossige offene Villa. Insbesondere die Einflüsse von Witterung und Tagesablauf sind mitentscheidend für die Gestaltung der Fassade.

Tageslicht flutet die Räume

Der Grundriss des Gebäudes öffnet sich zur Talseite. Im Erdgeschoss finden sich der großzügige Zugang und alle notwendigen Räume des alltäglichen Lebens, nebst Schlaf- und Badbereich der Eltern. Der Hauswirtschaftsraum, Abstellraum und die Neben­küche befinden sich im fließenden Übergang zu Küche, Essen und Wohnen. Tageslicht flutet die Räume, teils durch bodentiefe Fenster, teils durch in Bildausschnitt gewählte Fenster wie im Schlafzimmer, die den Bewohnern beim Aufwachen einen weiten Blick ins Bergische gewähren. Im Esszimmer ist eine großzügige Ecksitzbank vor dem Fenster angeordnet. Das Wohnzimmer zeichnet sich durch den fließenden Übergang einer großen Schiebetür zur angrenzenden Terrasse aus. Zwei Kinder­zimmer mit eigenem Duschbad, Gäste- und Hobby­raum sowie ein großzügiger Wellnessbereich mit Sauna, Dusche und Fitness sind im talseitigen Untergeschoss angeordnet.

Raumfluss ohne Grenzen

Betrachtet man das Haus von der Talseite aus, so erkennt man das Sockelgeschoss, das gänzlich mit Grauwacke verkleidet wurde. Als Terrassenbelag in allen Bereichen findet sich die heimische Grauwacke als Platten verlegt wieder. Das traditionelle Material aus dem Bergischen Land ist nachhaltig und zeichnet sich durch kurze Bezugstrecken aus. Der da­rüberliegende Baukörper scheint zu schweben, ist weiß verputzt und talseitig durch die ­großen offenen Fensterflächen und die auskragenden Terrassendächer geprägt. Ein ­weißes Band legt sich um diesen Baukörper im Erdgeschoss. Der Baukörper selbst besteht von oben betrachtet aus drei unterschiedlichen Quadern, die sich in der Höhe absetzen: Im Niedrigsten ist die Garage, im Mittleren das Erdgeschoss mit Schlaftrakt, im Obersten Wohn- und Essbereich mit Küche. Durch die Dimensionierung der Raumhöhen und Quadergrößen wird auch die Funktionsbedeutung gekennzeichnet, woraus sich interessante Raum­verschnitte ergeben. Durch die gezielte ­Fensteranordnung beziehungsweise Fensterausschnitte erhält man aus jedem Raum eine andere Perspektive auf das angrenzende Bergische Land – so ist der Innen-Außen­bezug hergestellt.

Haus mit klaren Linien

Von der Erschließungszone als Mittelpunkt des Hauses führt eine Treppe ins Untergeschoss, die über ein großes Oberlicht ­Helligkeit bis in die untere Geschossebene gewährleistet. Ein einheitlich verlegter EichenDielen­boden schafft fließende Übergänge und ­verleiht den Räumen Großzügigkeit. Weiß gehaltene Decken- und Wandflächen sowie flächenbündige Türen unterstreichen das Raumkontinuum. Raumprogramm, Budget, intensive Auseinandersetzung mit dem Genius loci – die Wünsche der Bauherren stehen bei oxen architekten immer im Vordergrund. So auch bei diesem Projekt. Wie auch bei vielen vorangegangenen Objekten von Bernd Oxen ist bei der Planung einer energieeinsparenden Haustechnik die Nutzung von Geothermie und thermischer Solarenergie als effiziente Unterstützung vorrangig gewesen. Darüber hinaus ist Nachhaltigkeit durch ressourcenschonende Baumaterialien und ortsnahe Verwendung von Naturstein für das Gebäude charakteristisch. Insgesamt fügt sich das Projekt in die Reihe der bisherigen Bauten ein. Seit der Fertigstellung nach nur zweijähriger Plan- und Bauzeit fühlt sich die Familie sehr zuhause. „Sie lieben den Bezug zur Landschaft, der durch die Großzügigkeit der Verglasung und der Terrasse gelebt werden kann“, erklärt der Architekt. Durch die Trennung des Kinder- und Gästebereichs im Untergeschoss zum eigentlichen Wohnbereich im Erdgeschoss ergeben sich Rückzugsmöglichkeiten im Alltag. Zur Familienzusammenkunft dient der großzügige Esstisch. Mit herrlichem Ausblick ins Grün. 


www.oxen.de

Raumfluss ohne Grenzen

Architekten oxen architekten, Köln
Lage Wuppertal Baujahr 2018
Wohnfläche 351 qm zzgl. Nutzfläche 144 qm, gesamt 495 qm Lichtplanung
Lichtplanung Ohlies, Essen Elektrotechnik Wolff
Elektrotechnik, Swisttal-Heimerzheim
Küchen-/Badplaner planbar Einrichtungs, Düsseldorf
Gartenbau Gartenplan Esken & Hindrichs, Leichlingen
Rohbau Bauunternehmung Wagner, Kürten
Dachdecker Jakob Johns Dachdeckermeister, Reichshof-Wehnrath Fensterbau Brandenstein
Bauelemente Carsten Puley, Haan - Gruiten HLS Ing. A. Weiden, Wuppertal
Trockenbau Mandrella GmbH, Bergisch Gladbach
Aussen-/Innenputz Robert Laslo, Wuppertal
Schlosser Karl-Rudolf Kos Bauschlosserei, Wuppertal
Naturstein die Stein Schmiede Till Dehler, Waldbröl
Estrich WIESJAHN GmbH Estriche u. Bodenbeläge, Leverkusen
Schreiner Tischlerei Clemens GmbH, Wuppertal
Lüftung, Haustechnik Frank Dickopp, Bergisch Gladbach
Fliesen Fliesen Bellers, Wuppertal
Maler lienenlüke reinsch plus GmbH, Köln
Bodenbeschichtung OBRYCKI Designerboden, Frechen
Parkett Parkett Dietrich GmbH, Wuppertal