Traditionsbewusst nach vorn geschaut

Bei der Erweiterung eines Wohnhauses zu einer Hofanlage schaffen LHVH Architekten ein traditionsbewusstes Gut: schön, zukunftsgewandt und nachhaltig zugleich.

Die Geschichte des Straßendorfes Wesseling-Urfeld reicht bis in die Römerzeit zurück. Die typische Bauweise für den am Rhein gelegenen Ort waren Hofanlagen mit angrenzend bewirtschafteten Feldern, die ein homogenes und charakteristisches Ortsbild prägten. Gängiges Baumaterial: Ziegel. In den letzten Jahrzehnten hat die Umwidmung von Acker in Bauland weitestgehend zur Zersiedelung der historischen Struktur geführt. Gründe hierfür lagen im Wachstum der Gemeinde und in der erschwerten wirtschaftlichen Situation der Landwirte, was den sukzessiven Verkauf von Teilstücken ihrer Äcker nach sich zog. Das Bestandsgebäude befindet sich in „zweiter Reihe“ (Kirchstraße), westlich der historischen Rheinstraße, entlang derer sich das Dorf entwickelt hat. Es ist eines der wenigen Gebäude, das mit seiner besonderen Lage – Ecke Kirchstraße und Holzgasse – eine Bauflucht vorgibt. Eine Erweiterung des bestehenden Einfamilienhauses um Wohnfläche mit Schwimmbad, Büro und eine Fahrzeughalle mit Werkstatt für eine Oldtimersammlung zu planen – das war die Aufgabe für die LHVH Architekten.

Vom Haus zum Hof

Hinter LHVH Architekten stehen die ehemaligen Studienkollegen und heutigen Büropartner Frank Lohner, Jens Voss und Frank Holschbach. Ihre Idee: vier neue Gebäude um das Bestandsgebäude gruppieren und eine neue Form der Hofstruktur bilden. Einerseits zitieren sie damit die typischen, historischen Hofanlagen der Gegend. Andererseits wird so die Idee der Bauflucht entlang der Kirchstraße und der Holzgasse aufgegriffen, weitergeführt und gestärkt. Der Gebäudetrakt entlang der Kirchstraße definiert mit der gegenüberliegenden Bebauung einen neuen Straßenraum, der die Dichte der historischen Rheinstraße in die „zweite Reihe“ hinein entwickelt. Die vier Erweiterungsbauten sind als einfache, kubische Baukörper mit Sattel- und Pultdächern ausgeführt. Tief in die Klinkerfassaden eingeschnittene Öffnungen orientieren sich je nach Nutzung in den öffentlichen Straßenraum oder in den privaten Bereich des Hofes. Nachhaltige und regionale Materialien wie Ziegelstein und Schiefer, Grauwacke und Holz prägen das Gebäude.

Da der Bauherr selbst beruflich in der Windkraftanlagen-Technik tätig ist, basiert das energetische Konzept auf Nachhaltigkeit und Autarkie. Über Brunnen gewonnenes Grundwasser versorgt via Wärmepumpe die Gebäude mit Heizenergie. Die kontrollierte Lüftung wird mittels Erdwärmetauscher gewährleistet, die unter der Hoffläche verlegt sind. Photovoltaik auf dem Dach der Fahrzeughalle sorgt für den Strom.
Tradition und Moderne ergänzen sich hier in perfekter Art und Weise. Und wer den Stil mag, wird hier sofort einziehen wollen.


Tradition und Moderne ergänzen sich hier in perfekter Art und Weise

ARCHITEKT LHVH Architekten BDA, Köln
ELEKTROARBEITEN Elektro Müller + Co, Aachen
HAUSTECHNIK Hausconsult, Simmersfeld
ROHBAUER PCPetersen, Langenhorn
SCHWIMMBAD Swimroll, Gummersbach
STATIK HCE Ingenieurges, Hamburg
FENSTER Werheit Metallbau, Köln
ZIMMERMANN Evertz u. Stoll, Mech.-Obergartzem
DACHDECKER Knietsch Bedachungen, Wesseling
FLIESEN Bauch & Völker, Bonn
PARKETT Parkett Thomanek, Köln