Sehnsuchtsort

In ländlich geprägter Umgebung inmitten des deutschen Mittelgebirges schuf Landschaftsarchitekt Henning Breimann einen wohltuenden Rückzugsort für Mensch und Tier.

Es war einmal ein schlichtes Einfamilienhaus mit weitläufiger Freifläche, jedoch ohne nennenswerten Garten. Es sollte ein Ort der Sehnsucht erschaffen werden, an dem Erwachsene die Gärten ihrer Kindheit wiederentdecken dürfen und der gleichzeitig die Ansprüche mehrerer Generationen bedient – das war der Auftrag für Landschaftsarchitekt Henning Breimann. Über etliche Hektar erstreckt sich das Grundstück, demgegenüber wirkt das Haus recht klein. Charakteristisch ist die Geländeform mit Höhenunterschieden von bis zu 90 Metern, in Neigungen bis 32 Prozent. Den Hintergrund bildet eine mächtige Burg, einst eine Klosteranlage. Geblieben sind die Klosterburg und einige Fragmente historischer Mauern aus dem Mittelalter. Ein Sparkassengebäude und eine Wohnbebauung aus den 1970er Jahren, die regelrecht in das Grundstück einfällt, kennzeichneten die eher unschöne Nachbarschaft. Die Masterplanung sah vor, den beträchtlichen Umfang an Freiflächen in verschiedene Räume zu gliedern: Mit weiten Rundumblicken von den Terrassen aus bis in die Viehweiden und ins angrenzende Gebirge.

Zunächst wurde das Grundstück von jahrzehntelangem Wildbewuchs befreit. Solitäre, gestaltprägende Bäume wurden freigelegt, um über Generationen weiterwachsen zu können. Sichtachsen sowohl vom Haus als auch den verschiedenen Außenterrassen aus wurden geschaffen, die eine besondere Dramaturgie der Landschaft über die Jahreszeiten hinweg ermöglichen. Je weiter sich die Terrassen vom Haus entfernen, desto natürlicher verschmelzen sie mit der Landschaft, die grundlegend überarbeitet wurde: Bäche wurden wiedererweckt, Knicks eingefügt oder wieder aufgeforstet. Etliche Biotope wurden für Flora und Fauna geschaffen, wobei Henning Breimann besonderen Wert auf die Etablierung von Bienen- und Insektenweiden sowie von Vögel- und Reptilienhabitaten legte.

Zwischen der naturnahen Landschaft als Passepartout und dem eigentlichen Grundstück als Rasenterrasse wurde ein Garten für große Feste angelegt. Teils beträchtliche Höhenunterschiede sind mit zeitgenössischen Rasenwellen ausgeglichen und mit einer direkten Himmelsleiter aus 117 Natursteinstufen mit dem Haus verbunden. Die letzte Ebene rahmt eine 12 Meter hohe Natursteinmauer, die sich mit der etwa 800 Jahre alten Klostermauer vermählt. In dem eigentlichen Garten finden sich fünf Terrassen. Hier kann man sich barrierefrei aus allen Ebenen bewegen und sich über die Jahreszeiten hinweg und bei jedem Wetter aufhalten. Über ein schlicht gehaltenes Wasserbecken verschmelzen Wasserspiegel und Himmel. Die Auswahl sämtlicher verwendeter Materialien, vor allem aus der Region, erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Bauherrn, dem Denkmalschutzamt und dem Erzbistum Münster. Historische Gestaltungselemente wurden zeitgenössisch in das 21. Jahrhundert transportiert. Dabei hat der Landschaftsarchitekt auch das Haus mit einer neuen Fassaden-, Fenster- und Türengestaltung versehen, die sich harmonisch in die ehemalige Kloster­anlage einfügt. Schmiedearbeiten beispielsweise wurden auf traditionelle Art und Weise hergestellt. Im Pflanzkonzept spiegeln sich mehrere Faktoren wider: Strukturbildende, solitäre Gehölze aus der Hamburger Baumschule Lorenz von Ehren, gliedern neu geschaffene Räume mit zahlreichen Natursteinmauern und schalten den Blick auf die Nachbargebäude aus. Windstille Räume mit Innenhofcharakter wurden mit großen Heckenelementen für kühlere Tage geschaffen. Lose gepflanzte Apfelbäume erinnern an die alte Klosteranlage, neue Mauern wurden mit ­Rambler-Rosen überwuchert. Die unteren Terrassen­ebenen bis in die Wiesen hinein wurden mit verschiedenen Großbäumen bepflanzt und mit heimischem Saatgut an Säumen und in Wiesen ökologisch auf­gewertet, die nur einmal im Jahr gemäht werden ­müssen. Üppige Staudenpflanzungen sprengen die geordnete Struktur. Sich selbst versamende Stauden, so genanntes Black-Box-Gardening, verleihen rasch einen naturnahen und ländlichen Charakter. Den fast klösterlichen Eindruck vermitteln zahlreiche, an exponierten Stellen gepflanzte Küchenkräuter. Das vom Landschaftsarchitekten Henning Breimann entwickelte Lichtkonzept zielt lediglich auf sicheres Lust­wandeln an lauen Sommerabenden und auf die Wahrnehmung zauberhafter Winterlandschaften in den Winternächten ab. Ansonsten gilt das Gesetz der Dunkel­heit als natürliche Gegebenheit.


www.breimann-cie.de
www.lve-baumschule.de

Rückzugsmomente für Stille und Einkehr

LANDSCHAFTSARCHITEKT Henning Breimann