02 19 Magazin für Architektur, Garten und Lebensart

Schönheit im neuen Glanz

Das mehrfach prämierte Gebäude des Architekten Joachim Schürmann hatte durch Um- und Anbauten viel Glanz verloren. Bis sich Thomas Kostulski seiner annahm.

Der Entwurf von Joachim ­Schürmann aus dem Jahr 1960 gilt als gutes Beispiel der Umsetzung von Gestaltungselementen der Moderne nach dem Vorbild von Mies van der Rohe oder den amerikanischen Case Study Houses an der amerikanischen Westküste. Daher erhielt dieser Bau 1967 zu Recht den Kölner Architekturpreis und wurde 2003 unter Denkmalschutz gestellt. Als die Eigentümer das Haus nun gut fünfzig Jahre später kauften, war durch mehrere Umbauten wie Atriumüberdachung und Schwimmbadanbau vom ursprünglichen Charme etwas verloren gegangen.

Der Schürmann-Grundriss war sehr kleinteilig mit winzigen Kinderzimmern und kleinen getrennten Elternschlafzimmern. Der bauliche Zustand war energetisch extrem schlecht: Das Dach war nur durch verputzte Schilfrohrmatten und eine 30mm starke Glaswolle-Dämmung isoliert. Ein Kriechkeller brachte die kalte Außenluft auch unter das Haus und die Ausfachungen zwischen den Holzstützen waren nur minimal gedämmt. Durch den Denkmalschutz mussten Lösungen für die Dämmungen der einzelnen Bauteile gefunden werden, die die Proportionen der Fassade nicht veränderten. Trotz dieser Gestaltungsvorgabe konnten bei der Sanierung aktuelle Dämmstandards eingehalten werden.

Aufgrund der Holzskelettbauweise konnte der U-förmige Grundriss des ursprünglichen Hauses komplett neu konzipiert werden. Um die originale Außenform wieder erfahrbar zu machen, wurde der ehemalige Schwimmbadanbau durch eine breite Fuge optisch vom ursprünglichen Bauwerk getrennt. Diese eingeschnittene Fuge, das Abschneiden der Dachattika und eine andere Detailführung als beim Haupthaus reichten aus, um das ursprüngliche Atriumhaus wieder freizustellen und dem „Schlafhaus“ einen eigenständigen Charakter zu verleihen. Denn heute sind in dem alten Schwimmbad die privaten Schlafräume mit Bad und Ankleide untergebracht. So war es möglich den Rest des Hauses sehr offen zu gestalten. Bis auf wenige Bereiche wie Gäste-WC und Hauswirschaftsraum gruppiert sich der restliche Grundriss als offenes Raumkontinuum dreiseitig um einen Atriumhof.

Das zentrale Atrium eröffnet unzählige Blickbeziehungen von Küche zum Wohnen, vom Essplatz in den Garten. Wenn man das wunderbare Domizil betritt, hat man aufgrund der freien Blickachsen durch das ganze Objekt und den Innenhof vom ersten Moment an das Gefühl, jeden Winkel des Hauses überblicken zu können. Diese Offenheit erzeugt beim Besucher eine große Vertrautheit, da ihm anscheinend nichts verborgen bleibt und man sich sofort an jeder Stelle orientieren kann. Der durchgehende Belag aus Solnhofener Platten, der ursprünglich nur im ehemaligen Wohnraum lag, unterstreicht die Großzügigkeit dieses Hauses. Ein eingefügter Kamin ist von beiden Seiten aus einsehbar und gibt dem Sitzbereich im Wohnzimmer die ­nötige Geborgenheit in dem sonst so offenen Raumgefüge. Die Küche ist durch den zentralen Küchenblock mit angrenzendem Sitzplatz der klar definierte ­Treffpunkt. Alle notwendigen Gerätschaften wurden in einer schwarz gebeizten Schrankwand untergebracht. Durch den separaten Hauswirt­schaftsraum konnte die Möblierung hier klar gehalten werden. Genau gegenüber der Öffnung zum Garten steht der Esstisch. Die Glaswand kann durch zwei große Schiebetüren zum Atrium hin geöffnet werden. Durch eine raumhohe Bücherwand wird die Atmosphäre des Raumes verbessert, da er dadurch nicht klar als Essplatz oder Arbeitsplatz erkennbar ist.
Der Atriumhof ist der optische Mittelpunkt des gesamten Objektes. Alle Blickachsen kreuzen diesen Raum und enden wie bei einer Fotolinse im Garten. Durch die Teilüberdachung kann der Innenraum ganzjährig möbliert bleiben und wirkt so wie eine ­Vergrößerung des Wohnzimmers. „Der wohnliche Außen­bereich ist insofern wichtig, da sich dort viele Blickbeziehung kreuzen und auch über das Atrium der Blick in den Garten freigeben wird“, erklärt Thomas Kostulski. Der Architekt Joachim Schürmann, der nicht weit von dem Haus wohnt, sagte nach einer Baustellenbesichtigung: „Sehr gut, der Mief ist raus.“

www.kostulski-architekten.de

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ARCHITEKT Kostulski Architekten, Köln
PROJEKTLEITER Daniel Uhlig, Kostulski Architekten
LAGE Wachtberg
BAUJAHR/UMBAU 1960/2011
FLÄCHE Wohnfläche EG 220qm, UG 73qm,
GESAMTFLÄCHE 293qm, Grundstücksfläche 1160qm
ROHBAU Haci Ünlü, Troisdorf
HOLZFENSTER Tischlerwerkstatt T. Berg, Overath
HEIZUNG/SANITÄR Sanitär und Heizungsbau Menck, Bergisch Gladbach
ELEKTRO Oppenau Elektrotechnik, Bergisch Gladbach
KAMINE Quetlich Feuerkultur, Montabaur
PARKETT Raummanufaktur Buschmann, Frechen
SCHREINER Häger & Söhne, Kerpem
MALER Epe Malerwerkstätten, Köln
LANDSCHAFTSBAUER Jansen und Arens, Köln