Reich der Mitte

In Hamburg-Wittenbergen konzipierte Mertins Landschaftsarchitektur eine moderne Interpretation japanischer Gartengestaltung und schuf einen zauberhaften Ort, an dem es in jedem Winkel etwas Neues zu entdecken gibt.

Japanische Gärten sind ein Ausdruck der japanischen Philosophie und Geschichte – und nach wie vor etwas ganz Besonderes. In Hamburg sollte ein Garten im Stil japanischer Vor­bilder geschaffen werden, wobei sich Bauherr und Landschaftsarchitekt einig waren, dass eine subjektive Interpretation fernöstlicher Ästhetik ihr Ziel war. Eine japanisch anmutende Landschaft sollte entstehen, geprägt durch alten Baumbestand, mit ­einem Gästehaus und einer Gärtnerwerkstatt, einem Teich, auch zum Schwimmen, würdigen, alten Bäumen sowie vielfäl­tigen Sichtbeziehungen zwischen den ­ver­­­­schiedenen Gartenräumen und visueller Ein­be­ziehung der umgebenden ­Land­schaft, in der das Sonnenlicht alte Kiefernstämme zauberhaft erleuchten lässt. Die Vielzahl der technischen Bauteile, die für ­Beleuchtung und Schwimmteichtechnik benötigt werden, sollte unsichtbar verbaut werden. Materialien mit möglichst natür­licher ­Aus­strahlung wie Holz, Naturstein und Kupfer sollten Verwendung finden, da ­deren Oberflächen durch Einfluss der ­Witterung mittelfristig eine würdige Patina annehmen.

Mag die Anmutung derartiger Gärten am Ende eine sehr natürliche sein, so sind sie doch bis ins Detail intensiv zu planen. Am Anfang stand die Modellierung des Geländes. Natürliche, sanfte Höhenunterschiede wurden durch geschicktes Setzen ausgewählter, großer Findlinge in Verbindung mit der geeignet komponierten Bepflanzung zu dramatischen Bergpanoramen überhöht. Die Position der tonnenschweren Findlinge mit Hilfe eines Telekrans konnte nur direkt vor Ort gestalterisch entschieden werden. Eine detaillierte Planung im Vorfeld war unmöglich. Jeden Findling begutachtete Landschaftsarchitekt Reiner Mertins zunächst von allen Seiten, um ihn dann durch den Kran punktgenau an seinem Bestimmungsort so absetzen zu lassen, dass der Eindruck einer natürlichen Berglandschaft entstehen konnte.

In den tiefen Lagen des Geländes, am Rande des felsigen Berghangs, entstand durch Ausformung einer abwechslungsreichen Uferlinie in Verbindung mit mehreren Inseln eine vielfältige Seenlandschaft. Unmittelbar vor der Holzterrasse des Gästehauses liegt in den flachen Teich integriert ein mit Schiefer ausgekleidetes, tieferes Becken zum Schwimmen. Schiefer fand auch bei allen Stützmauern Verwendung. Wurde die Oberfläche der Steine im Wasserbecken maschinell getrommelt und dadurch samtig glatt, fand in den Mauern bruchraues Material Verwendung. Den benachbarten Wasserfall lassen ausgefeilte Wassertechnik und eine besonders ausgewählte Steinsetzung ausgewogen rauschen. Trittstein-Pfade er­möglichen es dem Besucher, sich über die Wasserfläche zu bewegen und allen Gartenelementen sehr nahe zu kommen. Der Weg führt auch über die Inseln, auf denen drei 60 Jahre alte, aus Japan importierte Kiefern-Niwaki (Groß-Bonsais) ihren Bestimmungsort gefunden haben. Sie bilden den zentralen Blickfang im Garten. Im Übergang vom Wasser an Land wurden grobe Flusskiesel per Hand gepflastert – schwer zu beschaffende, sehr gleichförmige Steine von besonderer Herkunft mit eingegrenztem Farbspektrum. Für alle Materialien, sei es für Mauerbau oder Wegeflächen, war intensive Materialrecherche nötig. Das betraf natürliche Anmutung, Veränderung durch Witterungseinflüsse, Pflegeaufwand, Benutzbarkeit, Dauerhaftigkeit, Verfügbarkeit, Verarbeitbarkeit, asiatische Anmutung und die Möglichkeit spezieller Anfertigungen. Nicht zuletzt musste die Auswahl den Garten aus einem Guss erscheinen lassen.

Ergänzend zu dem großen, alten Ahorn, der bereits auf dem Gelände stand, dominieren kleinere Zierformen mit ihrer ausdrucksstarken Herbstfärbung die „Bergwelt“. Durch die Nähe zur Elbe und die damit verbundene, hohe Luftfeuchtigkeit haben sich feine Moosteppiche über deren Wurzelwerk und die Felsen gelegt. Ein Spaziergang um den See herum führt den Besucher durch Haine ausgewählter Solitär-Gehölze, wie Amelanchier lamarckii, Tsuga canadensis und Betula japonica. Wolkig geschnittene, immergrüne Gehölze wie Ilex und Azaleen erinnern an sanfte Hügel und bilden mit freiwachsenden Sträuchern (kleine Azaleen) eine schöne Polarität. Stauden und Gräser runden das Bild ab. Besonders vom Gästehaus aus eröffnen sich vielfältige Blicke in die Gartenlandschaft. Von hier lässt sich die Schönheit der Natur perfekt genießen und den Alltag vergessen. www.mertins-hamburg.de

Eine Interpretation fernöstlicher Ästhetik

GARTEN- UND LANDSCHAFTSBAU Miles Zimmern Garten- und Landschaftsbau, Hamburg
TEICHBAU, WASSERTECHNIK, BEWÄSSERUNGSANLAGE 
Wassertechnik und Bau, Rostock
BETONARBEITEN WASSERBECKEN H.-J. Rath Bausanierung, Schenefeld
STROMVERSORGUNG, STECKDOSENSÄULEN Herbert Herford, Hamburg
BAUGRUNDUNTERSUCHUNG VERSICKERUNG U. ÜBERFLUTUNGSNACHWEIS IGB Ingenieurgesellschaft, Hamburg
HOCHBAUARCHITEKT GÄSTEHAUS UND REMISE Charles de Picciotto Architekt BDA, Hamburg