Raumkunst Kunstraum

Zentrale Figur des Bonner Ortsteils Kessenich ist die Villa Faupel: ein traditioneller Bau des 19. Jahrhunderts, der bis in die 80er Jahre stetig erweitert und überformt wurde. Uwe Schröder gestaltete hier einen besonderen Ort für Kunst. 

Am nördlichen Fuß des Venusberges, zwischen den Ortsteilen Kessenich und Poppelsdorf markiert ein in den 1860er Jahren als Heilanstalt errichtetes Gebäude die Ortsgrenze. Die dort in mehreren Phasen entstandenen Bauten bilden ein Ensemble, das in seinem Inneren einen Platz ausweist. Über den steil ansteigenden Aufweg schließt dieser Raum an die abwärts gelegene Straße an. Alte und neue Gebäude nehmen Adresse und Orientierung auf. Der ursprüngliche Charakter der in der Landschaft freistehenden Villa ist durch diese Anbauten unterschiedlichster Nutzungen zuletzt nur schwer erkennbar gewesen. Mit dem Entwurf eines Galerie- und Atelierhauses des Bonner Architekten Uwe Schröder wurde die Möglichkeit geboten, dieses Gefüge neu zu ordnen: Durch das Freistellen der Villa in Zusammenspiel mit den Neubauten bilden nun drei Baukörper nicht nur ein neues Ensemble – vielmehr umfassen sie einen gebundenen Platzraum mit urbaner Atmosphäre.

„Einen Platz der Stadt! Eine Wohnung der Kunst!“

„Die Architektur bindet Kunst, ohne an sie gebunden zu sein, reziprok gilt Gleiches für die Kunst. Treten beide mit gegenseitiger Bindung auf, entsteht im besten Fall eine Raumintensivierung, zu der die eine wie die andere auf sich selbst gestellt nicht in der Lage wäre“, erklärt Uwe Schröder. „Daher braucht sich die Architektur von Galerie und Atelier auch nicht zurückzunehmen, etwa um der Kunst den Vortritt oder gar das Feld zu überlassen. Vielmehr hat sie ihre eigentliche Aufgabe, zweckhafte Räume anzuordnen und mittels Wänden zu errichten, voll und ganz anzunehmen. Dass sie dabei nicht nur die Begegnung mit Kunst, mit Architektur und Kunst, sondern vor allem auch die Begegnung mit Anderen einräumt, entspricht jenem verallgemeinernden Anliegen, das sich immerfort vom Äußeren her wie aus dem Inneren heraus an das Entwerfen und den Entwurf der Architektur richtet. Jene Anderen sind die Wohnenden, und ihre Wohnung ist die Stadt. Nicht nur die eigenen Zimmer und Wege, sondern auch die Plätze und die Straßen. Nicht allein das eigene Haus, sondern gleichfalls der Bahnhof, das Rathaus, die Fabrik, die Kirche oder das Museum. Insofern stiftet die Architektur von Galerie und Atelier erweiternde ‚Innere Außenräume’ der Begegnung und greift dabei auf die überlieferte Typologie zurück. Mit Höfen und Atrien, mit Lauben und Loggien schließen die Zimmer und Wege der Häuser an die Plätze und Straßen der Stadt an.

Das Entwerfen als Prozess und der Entwurf als idealistisches Projekt führen die scheinbar sich ausschließenden topologischen und typologischen Polaritäten räumlich und zeitlich zusammen. Nur so kann die Architektur dem Übergeordneten eine Bedeutung, dem Äußeren das Wesen des Inneren, dem Allgemeinen die Geltung des Besonderen, dem Gemeinschaftlichen den Wert des Individuellen, der Stadt das Ansehen des Hauses geben. Nur so kann die Architektur ihrem eigentlichen Sinn entsprechen.“

Das Galerie- und Atelierhaus Bonn von Uwe Schröder wurde durch den Bund Deutscher Architekten mit der „Auszeichnung guter Bauten 2017“ prämiert.


„Einen Platz der Stadt! Eine Wohnung der Kunst!“

GALERIE- UND ATELIERHAUS; BONN; 2009-2015 ARCHITEKT Uwe Schröder Architekt, Bonn
MITARBEITER C. Berkenhoff, M. Casola, S. Dahlmann,
M. Hiby, T. R. Kurz, C. Lajendäcker, P. Marra, O. Rausch, K. Rothmann, L. Sirdone, C. Wigger
TRAGWERKSPLANUNG Ertl Tragwerk, Bonn
GEBÄUDETECHNIK K + S Ingenieurbüro, Lohmar
LICHTPLANUNG Licht Kunst Licht, Bonn
SPEZIALTIEFBAU S+H Spezialtiefbau, Neustadt-Fernthal
ROHBAU Hans Blatzheim Bauunternehmung, Bonn
NATURSTEIN Marmor Otto, Grevenbroich
AUSSENPUTZ Georg Olbrich, Rheinbach
SCHREINERARBEITEN Schreinerwerkstätten Michels, Bleialf
MALERARBEITEN Karl Müller & Co. Malerbetrieb, Bonn