02 20 Magazin für Architektur, Garten und Lebensart

Prädikat ökologisch wertvoll

Für die heimische Terrasse holt Dr. Markus Richter Stauseeholz aus Südamerika, klimaneutral unter Wasser gefällt.

Sie waren mit Ihrem Team in Südamerika und haben eine neue Holzart für die Terrasse entdeckt.

Ja, wir waren in Surinam, das bis 1975 eine holländische Kolonie war, die unmittelbar am Äquator zwischen Venezuela und Brasi­lien liegt. Gleich nebenan in Französisch-Guayana starten die europäischen Ariane-Raketen. Surinam ist das waldreichste Land der Erde, 98,3 Prozent des Landes sind mit Wald bedeckt. Es ist halb so groß wie Deutschland, mit so vielen Einwohnern wie in Bremen. Im Landesinnern liegt der Brokopondo-Stausee. 1961 wurde das Tal geflutet ohne vorher die Tropenbäume zu fällen. Der See ist dreimal so groß wie der Bodensee, aber nicht sehr tief. Unter Wasser steht ein ganzer Wald mit 14 Millionen Kubikmetern Rundholz, der jetzt gefällt wird.

Bäume werden unter Wasser gefällt? Wie muss man sich das vorstellen?

Genau, ein Taucher fällt in mehr als 20 Metern Tiefe die Bäume mit einer pressluftgetriebenen Motorsäge. Das sind echt coole Socken, denn unter Wasser lauern Krokodile, Anakondas und Piranhas. Mit Stahlseilen werden die Bäume auf Pontons gehoben und an Land geschafft.

Warum betreibt man diesen abenteuerlichen Aufwand?

Holz, das 50 Jahre unter Wasser stand, hat erstaunliche Qualitäten und ist von Natur aus gegen viele holzzerstörende Schädlinge resistent. Trocknungsrisse treten bei Stauseeholz aufgrund der Wasserlagerung weniger auf als bei frisch gefälltem Holz. Es eignet sich hervorragend für die Terrasse, insbesondere das Guayana-Teak und Ipé. Und ganz wichtig: Wer Stauseeholz fällt, muss keinen Regenwald roden. Durch das Entfernen der Bäume aus dem See verrotten die Bäume nicht im See und setzen dabei kein Methan frei. Wer sich also Stauseeholz auf die Terrasse legt, schützt das Klima doppelt.

Wie wird das Holz weiterverarbeitet?

Dielen und Unterkonstruktion lassen wir in Surinam sägen und hobeln. So sorgen wir dafür, dass die Wertschöpfung vor Ort bleibt, als eine Art Entwicklungshilfe. Da die Bäume nicht unter Wasser nach Größen und Qualitäten ausgesucht werden können, lassen wir die Terrassen­dielen in mehreren Breiten und 2-3 Stärken produzieren. Das hat für unsere Kunden den Vorteil, dass wir den Preis auf einem normalen Niveau halten können.

www.holz-richter.de
www.giardino.de