01 20 Magazin für Architektur, Garten und Lebensart

Panta Rhei

Für einen Bestandsgarten entwickelten die Landschaftsarchitekten Horeis + Blatt den Mittelpunkt des Grüns mit einer Wasserachse, die in die Weite der norddeutschen Landschaft fließt. 

In einem von Villen und Einfamilienhäusern geprägten Wohngebiet in Norddeutschland findet sich das etwa 900 Quadratmeter große Grundstück, das über eine etwa 70 Meter lange Zufahrt aus Naturkleinsteinpflaster erschlossen wird. Es mündet auf einem Vorhof zwischen Garage und Eingang des Neubaus, der auf dem Keller eines alten Gebäudes erbaut wurde und sich in der Mitte des Anwesens befindet. An seinen Längsseiten gleich neben dem Vorplatz, legten die Landschaftsarchitekten von Horeis + Blatt auf Wunsch des Bauherrn kleine Steingärten an. Das verwendete Schiefergestein im Zusammenspiel mit punktuell arrangierten Findlingen, erzeugt einen schönen gestalterischen Kontrast zu den einzelnen Gräsern und dem Bonsai mit Azaleenwolken. Die Frühstücksterrasse, die in direkter Verbindung zur Küche steht, wurde in einen weiteren Steingarten eingebettet. Hier begrüßt man den Tag und genießt die ersten Sonnenstrahlen. Zu beiden Seiten des Gebäudes führen großformatige Platten aus schwedischem Granit in den südlichen Teil des Grundstücks, den eigentlichen Mittelpunkt des Geschehens.

Als Niels Blatt für die Planung des Bestandsgartens in den Entwurf des Architekten sah, erkannte er sofort, dass alle Blicke aus dem Inneren des Gebäudes hinaus in die Landschaft führen. „Rechts und links waren die Nachbarschaftsgärten relativ dicht bepflanzt, sodass sich der Blick nach vorne fokussierte“, erklärt Niels Blatt, „und zwar direkt auf das Green der innerstädtischen Golfanlage.“ Das besondere dieses Grundstücks: Obwohl es in 2. Reihe bebaut ist, weist es einen unverbaubaren weiten Blick in die Natur – und das nur 20 Minuten von der norddeutschen Großstadt entfernt. Den Garten selbst wünschte sich der Bauherr modern und strukturiert, ausgearbeitet mit Naturstein. Mit dem Aufmaß des Vermessers wurde dem Gartenarchitekten noch deutlicher, dass das Anwesen ein leichtes Gefälle aufweist, was beim Rohbau nicht direkt erkennbar war.

Nachdem Horeis + Blatt viele Ideen für die Wasserachse im Zentrum des Gartens entwickelten, entschied man sich aufgrund des Höhenunterschiedes für eine Teilung. Eingebettet in ein acht Meter langes und zwei Meter breites ­Wasserbecken, gerahmt von breiten Lavendelfeldern, bildet nun ein großer Quellstein an der Terrasse des Hauses den Startpunkt der zentral durch den Garten verlaufenden Wasserachse. Und da der Bauherr sich beruflich in Afrika aufhält, wählten die Landschaftsarchitekten mit Nero Simbabwe einen afrikanischen Naturstein für die Brunnenobjekte, den sie bei Naturstein Wolf in Lübeck fanden. Der Natursteinquader aus schwarzem Gneis steht so im farblichen Kontrast zur großen Sonnenterrasse selbst. Sie wurde als Erweiterung des Wohnraumes in südlicher Ausrichtung angelegt, ebenfalls mit Platten in schwedischem Granit. Seinen Kontrapunkt findet das Wasserspiel in weiteren drei Natursteinobjekten eines zweiten Wasserbeckens, das sich axial angeordnet am Ende des Grundstücks findet. Die Oberfläche der Brunnenplatte an der Terrasse ist auf einer Höhe mit der Oberfläche der drei Natursteinobjekte, die 60 cm aus dem unteren Wasserbecken herausragen. Lediglich durch ein Rasenstück wird die Achse unterbrochen, die beim Blick aus dem Haus durchgängig erscheint. Ein Fachmann für Wassertechnik entwickelte ein System, das mit UV- und Magnesium-Reinigung funktioniert – auch wegen des Familienhundes. Die Quellsteine wurden gestockt, gespitzt und gebrochen, damit mehr Bewegung ins Wasser kommt. Wenn nun das herablaufende Quellwasser das Licht einfängt, bildet es je nach Sonnenstand herrliche Lichtreflexe bis ins Wohnzimmer. Bereits im Eingangsbereich des Hauses führt nun der Blick quer durch das Gebäude – vorbei an Küche und Wohnzimmer – über die Wasserachse bis hin zu den Säulen-­Pappeln am Ende des Golfplatzes. Durch eine Beleuchtung unter Wasser wird sie illuminiert und in Szene gesetzt, sodass man auch bei Dunkelheit mit der griechischen Philosophie in Verbindung kommt. Panta rhei – alles fließt.

www.hb-la.de

Dat schwatte Hus bi Spo

PLANUNG/BAUÜBERWACHUNG Horeis + Blatt Partnerschaft mbB
Garten- und Landschaftsarchitekten BDLA, Bremen
GALABAU F.C. Peppler, Bremen
NATURSTEIN natursteinwolf, Lübeck
WASSERTECHNIK Kai Rogge Wasser und Technik im Garten, Verden (Aller)