minimalismus pur

Der Anspruch war, ein Möblierungskonzept zu entwickeln, das als eigenständige Instanz einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt und gleichzeitig die Architektur der wunderbaren Elbphilharmonie in ihrer Wirkung nicht schmälert.

Als Daniel Schöning von WRS ARCHITEKTEN & STADTPLANER im Januar 2015 den Auftrag erhielt, das renommierte Konzerthaus zu möblieren, beauftragte er das Hamburger Designstudio BESAU-MARGUERRE, ihm bei dieser Aufgabe zur Seite zu stehen. Gemeinsam realisierte das interdisziplinäre Team die Möblierung des bekannten Konzerthauses und entwarf zudem eine Reihe von Möbeln speziell für dieses Projekt. Das Möblierungskonzept, das neben den Foyers des Großen und des Kleinen Saals die drei Lounges, die Suiten der Dirigenten und Solisten und die Proberäume umfasst, korrespondiert subtil mit dem spektakulären Entwurf des Gebäudes von Herzog & de Meuron. Mit Sensibilität für den architektonischen Ansatz des Gebäudes antworten Daniel Schöning, Eva Marguerre und Marcel Besau mit einem anspruchsvollen und feingeistigen Möblierungsentwurf. 

Die Leitidee der Möblierung reagiert elegant auf die Herausforderung ein Konzept zu entwickeln, das als eigenständige Instanz einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt und gleichzeitig die Architektur in ihrer Wirkung nicht schmälert. Das Ergebnis entspricht dem kulturellen Anspruch sowie der Architektur und Funktion des Ortes. Die Möblierungsleitidee, die sich über das gesamte Konzerthaus erstreckt, nimmt den Fokus der Architekten Herzog & de Meuron auf die Materialität auf, um in der Imagination und der Erinnerung der Besucher der Elbphilharmonie einen intensiven ästhetischen und taktilen Nachhall zum Klingen zu bringen, der über das musikalische Erlebnis hinausgeht.

Das Ergebnis ist ein Konzept, in dem die Materialität der Möbel variiert und die Bandbreite von Wahrnehmung – warm/kalt, weich/rau – deutlich erlebbar gemacht wird: Wie in der Musik entstehen Dissonanzen und Harmonien. Die einheitliche Farbgebung egalisiert die Möbel und bildet optisch ein einziges Objekt. Durch die Homogenität der verwendeten Farbe entsteht ein überraschender Akkord aus Gebäude, Musik und Möblierung, bei dem jedes Element für sich wahrnehmbar ist und im Zusammenklang den anderen Gestaltungselementen ihre eigene, volle Eigenständigkeit zuerkennt. In ihrem Entwurf haben sich Daniel Schöning, Eva Marguerre und Marcel Besau bewusst für ein Zurücktreten der Möbel entschieden, weshalb alle Möbel weiß oder „entfärbt“ sind.

In der Wahrnehmung der Besucher treten die Möbel deutlich in den Hintergrund. Durch dieses Gestaltungskonzept entsteht eine Art umgekehrter „white cube“, in dem sich nicht das Gebäude zurücknimmt, um den Ausstellungsstücken zu huldigen, sondern sich im Gegenteil die Möbel gegenüber der Musik und dem Gebäude zurücknehmen. Zugleich tritt dadurch die Ausgangsidee der Gestalter umso plastischer hervor: die Idee, das Material der Möbel in den Vordergrund zu stellen. Die Farbe Weiß bekommt zudem eine gleichermaßen symbolische und suggestive Wirkung. 

Bei der Auswahl der Möbel sollten möglichst junge, in jedem Fall aber noch aktive Möbeldesigner mit ihren Produkten gezeigt werden. Gemäß der Leitidee bilden die Möbel eine Einheit, die sich dem Raum und der Funktion des Gebäudes unterordnet. Zusätzlich zum Möblierungskonzept eigens für die Foyers der Konzertsäle haben Eva Marguerre, Marcel Besau und Daniel Schöning eine eigene Möbelserie entworfen. Sie besteht aus Stehtisch, Bank und Beistelltisch sowie einer Familie von Glastischen für die Sky Lounge. Entstanden ist eine erkennbar zusammenhängende Möbel-Familie, die gekonnt die Leitidee des übergeordneten Möblierungskonzeptes aufgreift und in direkten Dialog mit den besonderen räumlichen Gegebenheiten tritt. Die Eigenentwürfe für Foyers und Sky Lounge werden neben dem Einsatz in der Elbphilharmonie von einem renommierten Hersteller in Serie produziert.


www.wirsind.net

www.besau-marguerre.de

Ein Überraschender Akkord
aus Gebäude, Musik und Möblierung

WRS ARCHITEKTEN & STADTPLANER 
Daniel Schöning
BESAU-MARGUERRE 
Eva Marguerre und Marcel Besau