02 20 Magazin für Architektur, Garten und Lebensart

Logenplatz der Rheinmetropole

Architekt Kai Grosche von GBA aus Köln baut für sich und seine Familie ein kompaktes Holzhaus auf dem Land. Mit weiten Räumen. Mit den typisch charakteristischen Merkmalen einer Scheune. Und vor allem: Mit Blick auf den Kölner Dom.


Der Bauort des Wohnhauses für eine junge vierköpfige Familie am Rande eines Dorfes im Bergischen Land ist Spannungsraum zwischen Fernsicht in die Kölner Bucht und dem unmittelbaren Kontakt zum Naturraum der  angrenzenden Waldlandschaft. „Meine Frau und ich kommen ursprünglich hier aus der Region“, erklärt der Architekt. „Wir kannten das Grundstück mit dem alten Baumbestand in der gewachsenen dörflichen Umgebung.“ Und genau deswegen war der Schritt von der Stadt hinaus aufs Land für ihn und seine Frau Pia Damm erst denkbar. Für sein Haus hat er regionale Materialien verwendet und sichtbar gemacht, die hier seit Jahrhunderten in Erscheinung treten.

Denn Form, Material und Farbgebung nehmen Bezug auf die Typologie der für die Region charakteristischen Scheunen des landwirtschaftlich geprägten Umfelds. Die Positionierung des Baukörpers thematisiert die vorhandene Topografie und berücksichtigt den alten Baumbestand. Ein Sichtbetonsockel hebt den allseitig überkragenden aufgesetzten Holzbau ab und tritt mit dem abfallenden Gelände zunehmend in Erscheinung. Fast wirkt er wie ein Sprungbrett in die Rheinmetropole. Auf Grund der beengten Anbindung des Grundstücks über einen schmalen Wirtschaftsweg, war die Vorfertigung des Holzbaus für eine einfache, schnelle und landschaftsschonende Errichtung vor Ort entscheidend.

Zur ressourcenschonenden Umsetzung des Projekts wurden, neben der Wahl von Holzbaustoffen, integrative Lösungen zur Reduzierung des bautechnischen Herstellungsaufwands verfolgt. Die Nutzung der Brettsperrholzrippendecken-Hohlräume zur Installationsführung und Wärmedämmung, erlaubt bei Sichtausführung der Deckenelemente als ‚hölzerner Rohbau‘ den Verzicht auf weitere Bekleidungen oder Anstriche und nutzt die raumklimaregulierenden Eigenschaften von Holz. In der ­Nutzung minimiert der hohe wärmeschutztechnische Standard des Holzrahmenbaus Transmissionswärmeverluste über die Gebäudehülle und führt – zusammen mit optimierter Ausrichtung der Glasflächen – zu einem niedrigen Energiebedarf.

Mit 150 Quadratmeter Wohnfläche ist es für einen freistehenden Neubau auf diesem Grundstück ein eher kleines Haus. Demgegenüber stehen die Weite des Raumes und die besondere Art und Weise, wie Innen und Außen miteinander verknüpft sind. „Wir wollten bei kompakter Bauweise möglichst großzügig bleiben und haben uns genau überlegt, welche Flächen wir für uns als vierköpfige Familie benötigen und wie wir diese jenseits der numerischen Quadratmeterzahl interpretieren können,“ so der Mitinhaber von ­Grosche Burgmer Architekten. Das Raumkonzept sieht vor, die offene Folge aus erdgeschossigem Eingangs-, Ess- und Wohnbereich über Lufträume mit den Individualräumen im Dachgeschoss in Beziehung zu setzen. Blickachsen und natürliche Belichtung erzeugen Großzügigkeit bei kompakter Organisation, wie zum Beispiel durch Ausnutzung der niedrigen Bereiche in Traufnähe für Einbauschränke. Die Verbindung zwischen Innen- und Außenraum wird durch die durchgängige Untersicht der Geschossdecke aus Lärchenholz geschaffen. Naturbelassene Holzfarbtöne charakterisieren die Öffnungen und Einschnitte im Volumen. Die dunkel lasierte, vertikale Schalung der Außenwandflächen, wird von der Stehfalzeindeckung des Dachs aus Aluminium aufgenommen.

Selbstverständlich hat der Architekt sein Haus nach den perfekten Blickachsen ausgerichtet. Heraus kam ein Wohnzimmer mit einem großen Loggiafenster an der Südseite, wodurch das Licht nachmittags und abends besonders schön einfällt. Im Sommer ist durch die Loggia ein ­Sonnenschutz gewährleistet. Im Winter wärmt die tiefstehende Sonne den Raum. Doch zu jeder Jahreszeit schweift der Blick von diesem Logenplatz aus über saftgrüne Wiesen und eröffnet einen fantastischen Blick auf den Kölner Dom. Auf diesem ­Balkon der Domstadt fühlt man sich „fast wie Zeus im Olymp“, sagt Pia Damm. Und lächelt.

www.gba-architekten.de

Balkon der Domstadt

Architekten Grosche Burgmer Architekten, Köln
Lage Gemeinde Kürten 
Baujahr 2018 
Wohnläche 150 qm
Holz-/Fassadenbau Korona Holz & Haus, Bergisch Gladbach
Dachdeckung Stoll Dachbau, Tondorf
Maler Malerfachbetrieb Eric Stranzenbach, Wiehl
Haustechnik Metternich Haustechnik, Windeck
Elektro Elektrotechnik Landwehr, Bergisch Gladbach
Stahlbetonbau Bauunternehmen Ralf Selbach, Kürten
Schreiner Hans-Josef Wester Tischlerei Meisterbetrieb, Lindlar