Kunst mit Stahlkraft

Sonnenblumen in Gummistiefeln, die durch die Stadt wandern. Schwimmende Welten, die das Panorama der Umgebung spiegeln. Kalligraphien aus Stahl und Kunststoff, die leicht, klar und dynamisch wirken. Das Arbeitsspektrum des Künstlers Philipp Dreber ist spannend, abwechslungsreich und breitgefächert.

In seinem Kölner Atelier entwickelt er Skulpturen und Installationen bis hin zu Raum- und Lichtkonzepten. Über die Sommermonate hinweg sind seine Werke aus Stahl in Skulpturenparks zu finden. Der Künstler und Designer Philipp Dreber arbeitet hier überwiegend mit Cortenstahlblechen. Er schneidet sie, verformt sie zu plastischen Gebilden und erhebt das schwere Material in eine besondere Leichtigkeit. „Flächenspannungen“ nennt er die Serie, die zart im Winde wiegt. „Bubbles“ heißen seine verspiegelten Halbkugeln, die mit optischen Effekten spielen und derzeit im Wassergraben von Schloss Dyck zu bewundern sind. Sie schwimmen im Wasser und verschmelzen mit ihrer Umgebung. Einerseits verzerren die schwimmenden Objekte die Landschaft, andererseits erzeugt die Spiegelung der Wasseroberfläche den Eindruck einer perfekten Kugel.

Auch von Privatkunden erhält der Künstler Anfragen, die meist etwas Spezielles für ihr Eigenheim suchen. „Diese Aufgaben sind immer spannend“, findet Dreber , „weil ich mich besonders von dem Ort inspirieren lasse.“ Er nimmt seine Kunden mit in die Formfindungsphase. Dies erfordert viel Feingefühl. „Die Ergebnisse sind sehr stimmig, denn die Formen und Proportionen werden exakt auf den Raum und den Garten zugeschnitten.“  Doch ein Bereich hat es ihm besonders angetan: Seine Passion sind Skulpturen und Installationen im Öffentlichen Raum. Anders als bei Bildern, die gerahmt an der Wand ihre eigene geschlossene Welt bilden, überwinden Drebers Arbeiten Grenzen und seine Visionen suchen sich den Weg in die Realität. An diesem Punkt entsteht bei dem Betrachter meist ein Gefühl von Faszination.

„Flokia“ ist eine Sonnenblumenarmee, die Dreber 2013 als Guerilla-Aktion inszenierte: Er ließ sie durch die Kölner Innenstadt marschieren „mit überwältigend positiver Resonanz,“ so der Künstler. Die Besonderheit liegt darin, dass er mit bekannten Gegenständen spielt und daraus neue Bilder erzeugt, die in der Lage sind, jeden zu berühren. Und er plant Größeres. Sein Wunsch: Ganze Sonnenblumenfelder in Formation als temporäre Installationen in Großstädten. Seit diesem Sommer ziert ein illustratives Spielschiff den Kölner Rheinauhafen, das Philipp Dreber zusammen mit der Schlosserei Fröbel entwickelt hat.

Es wirkt kindlich und leicht und war dennoch eine große Herausforderung, da die Gestaltung enormen Sicherheitsanforderungen gerecht werden musste. Hier half ihm sein Wissen, das er sich während seine Produktdesignstudiums aneignete: Philipp Dreber war Assistent des kürzlich verstorbenen Metallbildhauers Wolfgang Göddertz. In seinen komplexen Projekten arbeitet der Künstler oft mit Architekten, Spezialisten, Handwerkern, Tänzern und anderen Künstlern zusammen.
Aktuell präsentiert Philipp Dreber als Teil des Künstlerkollektivs KALYPSO eine große Ausstellung im Daegu Art Museum in Südkorea. “Negua“ kombiniert Skulptur, Fotografie und visuelle Kunst. Diese Installation war auf der Art Fair 2015 zu sehen und wurde mit dem Blooom Award ausgezeichnet.

Bei der interaktiven Videoinstallation werden die Augen von den Ausstellungsbesuchern fotografiert und auf eine überdimensionale Wabeninstallation projiziert. Sie zwinkern, schauen nach rechts und links, lassen ihre Blicke schweifen. Und irgendwo in dieser Fülle ist das eigene Auge, das einen betrachtet. Faszinierend. Es bleiben spannende Aussichten bei Philipp Dreber.


www.philippdreber.de

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