klösterlicher spirit

Wie ein denkmalgeschütztes Gebäude neu gedacht und die Spiritualität erhalten wurde, zeigen die Architekten msm meyer schmitz-morkramer. In Bensberg rückt das Paradies seitdem ein Stückchen näher.

Kastanien rauschen, Kies knirscht, einer Burg gleich erhebt sich das Kardinal Schulte Haus über die grünen Wiesen und Dächer Bensbergs. 1926 wurde es unter dem Erzbischof Köln, Dr. Karl Joseph Schulte, nach den Plänen des Architekten Bernhard Rotterdam errichtet. Mit rund 160 Zimmern und etwa 2000 Quadratmetern Konferenzfläche war eines der größten kirchlichen Tagungszentren Deutschlands in die Jahre gekommen. Um den Bestand grundlegend zu sanieren, setzte das Erzbistum Köln rund 30 Millionen Euro ein. „Wir erhielten die Aufgabe, das denkmalgeschützte Gebäude komplett neu zu durchdenken,“ erzählt Architekt Caspar Schmitz-Morkramer von msm meyer schmitz-morkramer. „Wichtigstes Ziel dabei war, den besinnlichen Spiritus zu erhalten, der für die Anlage so prägend ist.“ Unter dem Arbeitstitel „Der Geist des Hauses“ entstand ein sensibles Gestaltungs- und Raumkonzept, das dem Ort und seiner Mischung aus Ruhe und Kontemplation Rechnung trägt. Herzstück ist der Innenhof zwischen den mächtigen Mauern des dreistöckigen Gebäudes.
Hier legten die Architekten msm meyer schmitz-morkramer gemeinsam mit den Landschafts­architekten FSWLA einen formal reduzierten Platz an, der die Edith Stein Kapelle aus den 1980er Jahren umgibt. Unter stattlichen Magnolienbäumen entstand ein ganzjährig stimmungsvoller Ort.

Im äußeren Erscheinungsbild hat sich das Kardinal Schulte Haus kaum merklich verändert, doch im Inneren erwartet den Besucher ein gänzlich neues Haus. Die Lichtgestaltung, eine Königsdisziplin der sakralen Architektur, rückt wieder ins Zentrum. Die Lichtarchitektur schafft hier gezielt unterschiedliche Effekte. Einerseits durch die großen Fenster und hellen Achsen, dann durch indirekte Beleuchtung, die eine Atmos­phäre der Besinnlichkeit erzeugt. „Wir haben uns für eine zeitlose Handschrift aus hellen Wandflächen und Böden und für Materialien aus Eiche, Naturstein, Parkett, Teppich und Stoff entschieden,“ erläutert Caspar Schmitz-Morkramer. „Die Haptik war für uns von besonderer Bedeutung. Die Materialien strahlen Ruhe und Beständigkeit aus, sind gut anzufassen. Farbe wird nur an wenigen Punkten akzentuiert eingesetzt.“

Auch das Thema Orientierung spielte innerhalb des Gebäudes eine tragende Rolle. „Wir haben zunächst die Funktionen des Hauses analysiert und dann die Grundrissorganisation verändert. Ganz nach dem Motto „form follows function“, erklärt Schmitz-Morkramer. Das Haus erhielt eine neue Raumstruktur. Die Bereiche Hotel, Tagung und Konferenz wurden klar getrennt und so gestaltet, dass sich die Wegeführung heute leicht erschließt. Ein weiterer zentraler Aspekt des Sanierungskonzeptes war die umfassende technische und energetische Modernisierung.

Nach gut 20 Jahren Gebrauch mussten auch die Hotelzimmer grundlegend angefasst werden. Die bescheidenen, kleinen Räume im Charme der 80er Jahre wurden mit neuen Innenwänden, Innendämmung, Wandheizungen und individuell gestalteten Möbeln aus Naturholz versehen. „Hier konnten wir unsere Vielseitigkeit als Architekten unter Beweis stellen. Vom Rohbau über die Möbel bis zum Vorhangstoff haben wir alles neu geplant und speziell für dieses Gebäude entwickelt. Die Stimmung ist hell und freundlich, die klösterliche Anmutung gewünscht,“ so Schmitz-Morkramer. So wurde das Kardinal Schulte Haus, ein ehemals dunkles Juwel der Vorkriegsmoderne, Beispiel für den sensiblen Umbau eines großen, kirchlichen Tagungsortes. Und für die Gäste ein herrlicher Ort zum Netz­werken mit Spirit.


www.k-s-h.de

www.msm-architecture.com

Sakrale Lichtarchitektur
schafft mystik

ARCHITEKT Caspar Schmitz-Morkramer,
msm meyer schmitz-morkramer, Köln
LAGE Bergisch Gladbach Bensberg
AUSSENANLAGEN FSWLA Landschaftsarchitektur , Düsseldorf
BAUHERR Erzbistum Köln
BAUPHYSIK ISRW-Klapdor, Düsseldorf
BODENBELÄGE UND PARKETT Möltgen, Köln-Widdersdorf
ESTRICH Fußbodentechnik Kalthoff, Recklinghausen
FLIESEN UND NATURSTEIN Fliesen-Kern, Ransbach-Baumbach
LICHTPLANER Projekt Licht A. Thiel-P. Schütz, Saarbrücken
SCHREINEREI Türen: Tischlerei Maue, Borringhausen;
Möbel: LOEWE IndustrieOfenBau, Oberhausen
TGA IBH Ingenieurbüro Heiming, Köln
TRAGWERKSPLANUNG Finck Billen Ingenieurgesellschaft, Köln