02 19 Magazin für Architektur, Garten und Lebensart

Klare Botschaft

Cornelius Paxmann – einer der führenden Designer von Manufakturküchen Deutschlands – hat eine Küche als Ort gekonnt inszeniert, die in Sachen Design, Funktionalität und Materialauswahl seinesgleichen sucht. Von der Ästhetik des Einfachen.


Außerordentlich stilvoll mit ausgesuchten Materialien wurde der Altbau sehr liebevoll restauriert. Im Vordergrund standen die Authentizität der Materialien und deren haptische und farbliche Wirkung. „Die Bauherrin hat dieses Projekt mit erheblichem Einsatz, großem Stilwillen und viel Herzblut realisiert. Da lag es nahe, auch in der Küche besondere Materialien zu wählen“, erklärt Cornelius Paxmann. Die Architektur des Raumes sollte durch die Küche nicht gestört werden. „Daher haben wir bewusst zwei solitäre Möbel geplant, die durch ihre Loslösung von der Baumasse nicht als Einbauküche wirken.“ Der fast deckenhohe Hochschrank ist bewusst beidseitig von den umgebenden Wänden mit Abstand geplant, um die Raum-Ecken wirken zu lassen und die Dimension des Ganzen nicht zu reduzieren. „Ein einfacher Trick mit viel Wirkung“, so der bekannte Küchendesigner.

Das Grund-Materialthema des Hauses umfasst Stahl und Eichenholz sowie großzügige Flächen in Sichtbeton – alle in haptisch lebendig bearbeiteter Anmutung. So war es für Paxmann klar, die Materialien auch in der Küche einzusetzen, aber in invertierter Farbwirkung. Thema Eiche leicht abgedunkelt – der Kontrast: Dunkle Raucheiche, stark gebürstet. Thema Schwarzstahl – der Kontrast: Warmgewalzter Stahl in der Farbwirkung rohen Sterling-Silbers.

Die zentrale tragende Wand des Hauses ist mit massiven Schwarzblechen verkleidet. Als harmonischen Gegensatz wählte Paxmann warmgewalzten Edelstahl. „Ein spannendes Material aus dem Maschinenbau, welches wir vor etwa 15 Jahren in den Küchenbau geholt haben. Unsere Erfindung hat eine ganze Branche beeinflusst.“ Warmgewalzter Stahl wird nur noch in Finnland hergestellt – sehr robust und von unvergleichlicher Schönheit. „Die Platten werden aus dem hohen Norden zu unserem Schlosser geliefert. Wir können warmgewalzten Edelstahl in unbehandelter Oberfläche, angeschliffen oder anpoliert liefern.“ In dieser Küche kam die angeschliffene Variante zum Einsatz. Selbst die Spülbecken aus diesem Material werden als Maßanfertigung nahtlos eingeschweißt.

In dieser Küche sind sowohl die Fronten, als auch die Arbeitsplatte der Insel aus dem wunderschönen Stahl angefertigt worden. Statisch bedarf dies einiger Tricks im Möbel selbst: Die asymmetrische Auskragung karikiert das optische und physische Gewicht der Insel – sie scheinen zu schweben. Jedoch nur auf einer Seite, so bekommt der Entwurf Dynamik und Bewegung.

In dieser Manufakturküche gibt es einige versteckte Gimmicks: Die Mikrowelle ist als drittes Gerät aus Symmetriegründen unsichtbar in die linke Außenwand des Küchenschranks gewandert und lässt sich nun von der Fensterseite aus versteckt bedienen. Sichtbar sind nur Dampfgarer und Backofen. Zwischen den Ge­räten verbirgt sich ein versteckter Arbeitsplatz. Versteckt hinter sogenannten Pocket-Doors – frontbündig verschwindenden Tascheneinschub­türen – hinter denen sich sowohl Geräte als auch eine ganze Arbeitsplatte unsichtbar verstecken lassen. Die aufgesetzte Bar auf der Kücheninsel lässt sich verschieben und bietet so entweder Raum oder Sitzplatz für ein bis zwei Personen. Seit 1999 inszeniert der Meister seines Fachs mit hoher ­Perfektion maßgeschneidertes ­Design, von der Küche bis zur Rundum-Ausstattung. Jedes Teil wird von ausgewählten Schreinern und Handwerkern handgefertigt. Jede Manufakturküche von Paxmann ist ein Einzelstück und auch nach ­Jahren noch etwas ganz Besonderes.

www.paxmann.de

Eindrucksvoller Materialkanon