02 19 Magazin für Architektur, Garten und Lebensart

Innere Werte

Innenarchitektin Nadia Stanke verleiht einer Fabrikantenvilla aus den 60er Jahren ein neues Gesicht – behutsam, zeitlos, puristisch.

Bei Rheinbach in der Nähe von Bonn liegt das Gebäude in einem idyllischen Landschaftsschutzgebiet. Auf dem über 4000qm großen Grundstück mit Waldcharakter fügt sich die alte Fabrikantenvilla aus den 1960er Jahren harmonisch in einen Hang. Mit 280qm Wohnfläche auf einer Ebene verfügt sie über die gleiche Fläche in Keller und Dachgeschoss. Zur Südseite hin komplett verglast bietet das Haus einen atemberaubenden Panorama-Blick auf die ersten Hügel der Eifel und auf die nahegelegene Talsperre, die im Sommer zum Schwimmen einlädt. Vor der großen Fensterfront erstreckt sich eine rund 250qm große Terrasse mit modern bepflanzten Beeten. Durch die abgeschiedene Hanglage ist der Einblick in die Wohnräume nicht möglich und bietet daher absolute Privatsphäre.

Die Substanz des 60er Jahre-Baus war hervorragend, gebaut für die Ewigkeit. Das Budget schien bei den Bauherren seinerzeit keine große Rolle zu spielen und so musste kaum etwas aufgrund mangelnder Bauqualität ersetzt werden. Die Architektur war angelehnt an die klassische Moderne – geradlinig, offen, lichtdurchflutet. Lediglich die Farbwahl der Materialien erinnerte an die damalige Zeit: Es dominierten dunkle Holzeinbauten – von der Formensprache geradlinig und puristisch, also absolut zeitgemäß, jedoch zu düster für heutiges Wohnempfinden. Viele Einbauten wurden neu lackiert und konnten somit erhalten werden. Andere Elemente, wie beispielsweise eine cognacfarbene Abhangdecke aus feinstem Sattelleder (die ehemaligen Bauherren waren Inhaber einer Lederwarenfabrik), wurden nach langem Zögern entfernt. Ein ähnlicher Konflikt war häufiger präsent: Alles war aus feinsten Materialien und in Top-Zustand, jedoch aus heutiger Sicht drückend und dunkel. Auch die handgeschlagene Kupferhaustür musste aus energetischen Gründen weichen, sie steht jedoch noch im Keller und soll als Wandbild umgestaltet werden.

Mit der Grundidee „Arbeiten und Wohnen unter einem Dach“ hatten die Auftraggeber von Stanke Interiordesign aus Euskirchen das Haus gekauft. So wurde die einst durchgängige Wohnfläche in ein Büro mit separatem Eingang und einen für eine junge Familie passenden Wohnbereich abgetrennt. Nach einer intensiven Planungszeit war die ideale Aufteilung schließlich gefunden und konnte in die Tat umgesetzt werden. Eine weitere Aufgabe war eine Hommage an den Architekten des Hauses und den Bauherren seinerzeit. Hier war Sensibilität im Umgang mit der herausragenden Bausubstanz gefragt. Denn das Gebäude sollte zwar zeitgemäß saniert werden, allerdings ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren. Die behutsame Verschmelzung von Erhalt, Aufarbeitung und Ergänzung macht das Gebäude heute zu dem, was es ist.

www.stanke-interiordesign.de

Synthese von Tradition und Moderne

BAD Michael Schmidt Sanitär- und Heizungstechnik, Meckenheim
FLIESEN Alexander Forot, St. Augustin
PARKETT Maler Cramer, Rheinbach
SCHREINEREINBAUTEN Wien Holz Innovation, Troisdorf
FENSTER Fenster Klein/Internorm, Hennef
GARTEN/TERRASSE Gärten Peter Sturm, Euskirchen