01 19 Magazin für Architektur, Garten und Lebensart

Grüne Welle

Landschaftsarchitekt Manuel Sauer von Terramanus aus Bad Godesberg nimmt sich eines ländlichen Gartens an und formt den Freiraum zu einer modernen, charaktervollen Landschaft mit grünem Stillleben, das seinesgleichen sucht.

An einem Dorfrand mit weiter Blick­öffnung in ein angrenzendes Landschaftsschutzgebiet liegt dieser ländliche Freizeitgarten. Seine Gestaltung zeigt beispielhaft, wie gegenwärtige geradlinige Architektursprache mit freien Grünstrukturen einer still schwingenden Rasenskulptur bestmöglich korrespondieren kann. „Der Garten würdigt sowohl die Elemente eines jungen aufgeschlossenen Lebensstils als auch vorhandene regionaltypische Naturelemente wie die klassische Obstbaumwiese“, so Manuel Sauer. Das etwa 1.000  qm große, länglich geschnittene Grundstück läuft im Westen von der Wohnstraße aus an der tief verglasten Wohnzimmerfront vorbei und wechselt am östlichen Gebäudeende über eine eineinhalb Meter tief abfallende Böschung in eine naturbelassene Obstwiese mit urig alten Apfelbäumen. Passend zum minimalistischen Wohnhaus entstand ein Außenraumkonzept von Terramanus, das den Gartenbereich um das Wohnhaus zu einem modernen Freizeitgarten mit Swimmingpool formt und ihn gleichzeitig auch mit der tiefer liegenden Naturwiese verknüpft.

Der zentrale Aufenthaltsbereich, die Hausterrasse, umfasst in großzügigen Dimensionen den Wohntrakt der insgesamt als offener Winkel angeordneten Gebäudestruktur. Das Holzdeck integriert rhythmisch angeordnete Pflanzinseln als Begrenzung zur Böschungskante im Osten oder an anderer Stelle zur Hausfassadengestaltung. Ein behaglicher Schattensitzplatz, der von vier dachförmigen Amberbäumen (Liquidambar styraciflua) gebildet wird, prägt die Terrassenfläche. Bodenleuchten illuminieren das grüne Dach im Dunkeln. Den Sitzbereich markiert eine präzise Natursteinplattenfläche, die als millimetergenau in das Fugenbild integrierte Intarsie den Holzbelag belebt. „Die Herstellung einer solchen Einlegearbeit erfordert eine präzise Fugenplanung und eine ebenso perfekt ausgeführte Handwerksarbeit“, erläutert der Landschaftsarchitekt.

Der elegante Zierbade-Pool erstreckt sich vor den großen Panoramascheiben des Wohnraumes. Eine Trittplattenachse führt – unter dem Wasserspiegel liegend – durch das Becken und erlaubt so bei ­Bedarf die Abdeckung des Beckens mit ­einer auf dem Wasser schwimmenden ­Unterflur-Rollade.

Einen Blickfang der besonderen Art stellt die sanft schwingende Rasenskulptur dar, auf deren Kuppen fünf schirmförmig gezogene Felsenbirnen (Amelanchier lamarkii) stehen. Aus dem Gartenhintergrund schwingt das grüne Stillleben auf den Betrachter im Wohnzimmer zu und verliert sich nach vorne als kaum noch wahrnehmbare feine Wölbung im flachen Rasenteppich. Die Rasenskulptur füllt die etwas zurückliegende Nische am westlichen Gartenende aus und verwandelt sie so zu einem heimlichen Highlight des ­Gartens, das – abends auch dezent beleuchtet – aus jedem Winkel des weitläufigen Gartens wirkt. Längst haben die Kinder diesen ungewöhnlichen Spielplatz für neue Spielideen entdeckt. Durch Berücksichtigung verschiedener Blickwinkel vom Wohnhaus aus wurde in der Planung die optimal wirkende Anordnung der Gehölze ermittelt.

Als gerade Verlängerung der Böschungstreppe führt ein Holzsteg durch die urige Obstwiese zu einem großzü­gigen Sitzplatz inmitten knorriger Apfelbäume. Der Steg liegt genau auf der Mittellinie des Schattensitzplatzes ganz im Westen der Hausterrasse und baut so eine starke Verbindungsachse zwischen den weit auseinanderliegenden ungleichen Gartenbereichen auf. Dank der aufgeständerten Bauweise des Stegs waren keine tiefgreifenden Erdarbeiten zur Herstellung der Belagsflächen notwendig und das Wurzelgeflecht der Obstbäume wurde vollständig geschont. Damit der Sitzplatz sich möglichst unauffällig in das leicht ­abfallende Gelände des Obstgartens integriert, wurde er mit einer feinen Stufung geplant, die den dezent schwebenden Charakter der gesamten Holzkonstruktion unterstreicht. Die Wiederverwendung des seitlich gelagerten Oberbodens unterstützte die zügige Rückkehr der ursprünglichen Wiesenvegetation. Neben den markanten Ziergehölzen wird die Bepflanzung der Beete überwiegend von pflegeleichten, trockenverträglichen Stauden- und Gräserthemen geprägt, die über das Jahr verschiedene Blühaspekte bieten. So erhält der klar strukturierte Garten eine selbstverständlich anmutende Nähe zum naturnahen Landschaftscharakter der Umgebung.

www.terramanus.de







Vom besonderen Reiz des Stilllebens

ARCHITEKT Dipl.-Ing. Manuel Sauer, Terramanus Landschaftsarchitektur, Bonn
GEHÖLZE (Auszug) Liquidambar styraciflua | Amberbaum, dachförmig Amelanchier lamarkii | Felsenbirne, schirmförmig
STAUDEN (Auszug) Allium ‚Early Emperor‘ | Zierlauch Anemone hupehensis ‘Honorine Jobert‘ | Anemone Echinops ritro ‚Veitchs Blue‘ | Kugeldistel Epimedium grandiflorum ‚Rubinkrone‘ | Elfenblume Gaura lindheimeri ‘Whirling Butterfly’ | Prachkerze Heleborus orientalis ‚Blue Metalic Lady‘ | Lenzrose Lavendula angustifolia ‘Hidcote Blue | Lavendel Liriope Muscari ‚Majestic‘ | Traubenlilie Sagina subulata | Sternmoos Salvia officinalis ‘Purpurascens | Purpur-Gewürz-Salbei Thymus praecox pseudolanuginosus | Thymian
GRÄSER (Auszug) Helictotrichon sempervirens | Blaustrahlhafer Imperata Cylindrica ‘Red Baron’ | Blut-Gras Miscanthus sinensis ‘Yakushima dwarf’ | China-Schilf Miscanthus sinensis ‘Ghana’ | China-Schilf Pennisetum alopecuroides ‚Hameln‘ | Lampenputzergras Stipa pulcherima | Reiher-Federgras