02 20 Magazin für Architektur, Garten und Lebensart

Feuriges Vergnügen

Landschaftsarchitekt Soeren von Hoerschelmann liefert in seinem Beitrag brandheiße Tipps & Tricks für Feuer im Garten.

Wenn das Licht samtig wird, die Dunkelheit langsam über den Horizont kriecht und die Hektik des Tages sich legt, ist Zeit für knisternde Flammen. Feuer übt eine tiefe Faszination auf uns aus. Es ist mystisch aufgeladen, gefürchtet, genutzt, uralt und immer wieder neu. Es beruhigt, obwohl es so zerstörerisch sein kann. Wenn sich unsere Blicke im Spiel der lodernden Flammen verlieren, sehen wir das Zeugnis unserer Menschwerdung: Ohne die Beherrschung des Feuers ist die menschliche Kultur schlichtweg nicht vorstellbar.

Dem Kind, das sein Stockbrot über den Flammen röstet, ist das freilich egal. Es versinkt im Tun und freut sich auf den Augenblick, wenn es mit dem ersten Bissen die knackige Kruste durchbricht, um an das eigentlich noch zu heiße Innere zu gelangen, das doch so verführerisch duftet. Knistern und Flackern schafft eine behagliche Atmosphäre, wenn Freunde bei einem Glas Rotwein am Außenkamin beieinandersitzen. Mit einem umlaufenden Grillblech wird eine Feuerschale noch attraktiver, schließlich spendet sie nicht nur Wärme, Licht und Geborgenheit, sondern erfüllt mit der Zubereitung von Speisen auch noch die eigentliche Funktion. Die Grenzen zur Außenküche sind also fließend.

Feuer ist für groß und klein attraktiv. Ob als Mittelpunkt oder als Begleiter, verleiht es dem Leben im Garten eine festliche Komponente und verbindet im gemeinsamen Erleben.

Die Art, wie Feuer in die Gestaltung des Gartens integriert wird, ist so individuell wie seine Nutzer. Eine Feuerschale hat den Vorteil, dass sie mobil ist – eine Ecke dafür findet sich immer. Das ist praktisch für kleinere Gärten, in denen fest verbaute Feuerplätze die Nutzung zu sehr einschränken würden und darüber hinaus recht kostengünstig. So ist sie die perfekte Ergänzung für das Gartenleben, wenn der Platz ansonsten für anderes gebraucht wird. Dagegen folgt ein fest verbauter Wandkamin, um den herum bequeme Loungemöbel zum kultivierten Chillen einladen, dem Trend des Wohnens im Garten. Hier ist er das zentrale Element, um das herum sich die Gestaltung sortiert. Solch ein Setting spielt preislich in einer ganz anderen Liga, werden hier doch meist hochwertigste Materialien aufwendig verbaut. Es fehlt teilweise nur noch das Dach, um daraus einen Wohnraum zu machen. Die rustikale Variante dazu ist die fest installierte Feuerstelle hinten im Garten, in der wilden Ecke, meist mit einer Fassung aus Steinen und im Kreis angeordneten Holzstämmen oder Bänken. Ein Stück Abenteuer zuhause. Hier wird sich nicht viel anderes abspielen, dieser Platz ist fest besetzt. Aber auch spektakuläre Gestaltung mit Feuer ist möglich: Versteckte Linien quer durch den Garten, aus denen bei Dunkelheit Gasflammen züngeln, zielen auf den Effekt, auf den Moment der Überraschung. Diesen Aspekt kennen wir freilich bereits aus der Renaissance, hier nur mit moderner Technik ausgeführt.

Sowieso, die Brennstoffe: Holz fällt sicher jedem ein. Gas und Ethanol haben jeweils eigene Eigenschaften, die zum gewünschten Einsatz besser passen. Im Senkgarten eines kleinen Stadtgartens wird man sich mit einer lokalen Feuerstelle, die mit Ethanol betrieben wird, bei den Nachbarn sicher eher Sympathien verschaffen, als mit einem rauchenden Holzfeuer. Ethanol hat außerdem den nicht ganz zu vernachlässigenden Vorteil der relativen Sicherheit: Kein Funkenflug, kontrollierte Brennhöhe und eine feste Fassung versprechen ein Erlebnis ohne böse Überraschungen. Gas und Holzfeuer haben da deutlich mehr Fehlerpotential, weshalb diese Anlagen sorgsam geplant und ausgeführt werden sollten.

Bei aller Kultiviertheit und baulicher Raffinesse bleibt dem Feuer doch seine archaisch-hypnotische Wirkung. Es war da, bevor der Mensch die Idee des Gartens entwickelt hat. Wir holen uns also etwas uraltes in unser direktes Lebensumfeld. Wie zentral seine Bedeutung ist, zeigt sich darin, dass es bereits im antiken Griechenland neben Luft, Erde und Wasser als eines der vier Grundelemente angesehen wurde. Aber auch ohne diese gedanklichen Überbauten ist Feuer etwas Unmittelbares, direktes, das uns Wärme spendet und eine unvergleichliche Atmosphäre schafft. In welcher Art auch immer: Gezähmtes Feuer macht den Garten noch lebenswerter.

Soeren von Hoerschelmann

www.gaertenvonhoerschelmann.de