01 22 Magazin für Architektur, Garten und Lebensart

Ewige Liebe

Fast jeder von uns hatte eins von ihnen. Sie waren überall dabei und sie wissen, wie weh Liebe tut. Der Künstler Burkhard Mönnich spürt Kuscheltiere auf und verewigt sie mit der Liebe auf Leinwand, die ihnen einst zuteil wurde.

Sie sind abgelutscht, abgekaut, abgerissen – die Typen, die der Kölner Maler Burkhard Mönnich portraitiert, sind das, was man Charakterköpfe nennt: Vom Leben gezeichnete Individuen, geprägt durch die einstige Liebe ihrer Besitzer. Ihr Ausdruck ist unverwechselbar, ihr Blick direkt und von großer Intensität. Befindet man sich mit ihnen in einem Raum, kann man sich ihrem Blick nicht entziehen.

Die Konterfeis stellen allesamt Tiere dar: Affen, Katzen, Ziegen, Hunde – ihre Vorbilder sind alte, abgeliebte Stofftiere von Steiff, die Burkhard Mönnich im Internet aufspürt. In Fotosequenzen studiert er die Portraits seiner Protagonisten und setzt bei den Fotografien die Lichtpunkte in ihren Glasaugen so, dass sie lebendig wirken. Denn diese sind das magnetische Zentrum, die eine unwiderstehliche Anziehung ausüben. Hat der Künstler den perfekten Ausdruck eingefangen, setzt er das Foto mit gestischem Pinselfluss in Malerei um.

Mit einem Plattencover fing alles an. Als ein Musikerfreund ihn bat, dafür ein Bild mit dem Konterfei seines Lieblingskuscheltiers zu malen, entstand daraus die erfolgreiche Serie, die bereits in mehreren Ausstellungen der Region berührte und begeisterte. Der Schlitzohrige, die Melancholische, der Kindliche, die Verschlagene – jede dieser Stofftier-Vorlagen ist individuell gealtert und geprägt von einer ganz persönlichen Geschichte. So gleicht kein Modell dem anderen. Jedes Kuscheltier scheint in der Beziehung mit seinem ehemaligen Besitzer seine eigene Rolle gefunden zu haben, die der Maler in Öl auf Leinwand festhält, nachdem er den ursprünglich etwa 3 cm großen Kopf auf das 10 bis 150fache vergrößert.

Burkhard Mönnich ist 1966 in Essen geboren, schloss sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschüler von Michael Buthe ab und begann mit Portraitbildmalerei. Von fotorealistischen Werken über abstrakte Tuschearbeiten bis hin zu konzeptioneller Malerei – Mönnich probierte sich und seine Kunst und Techniken über viele Jahre aus, bevor er zur Portraitbildmalerei zurückkehrte, nur seine Protagonisten sind heute andere. Zwar weisen sie fast alles auf, was ein lebendiges Subjekt besitzt, bis auf eines: das Leben selbst. In der Malerei wurde schon immer tote Materie zu Lebendigem verwandelt und es ist genau das, was den Künstler interessiert. Sein eigentliches Sujet ist nicht das Dargestellte, sondern die Untersuchung: Was macht das Licht mit dem Gegenstand? Wie wandelt sich das Gesehene im Malprozess? „Mit den Stofftieren als Modell kann ich Portraits malen, ohne mich mit Personen zu beschäftigen. Es sind ja nicht mal Tiere, die ich male, sondern Gegenstände. Aber diese stehen für Persönlichkeiten.“

www.burkhardmoennich.com

„Näh‘ einem alten Socken zwei Knöpfe an und Du kannst ihn nicht mehr ­wegwerfen“
Burkhard Mönnich