02 19 Magazin für Architektur, Garten und Lebensart

Ein Hauch Skandinavien

Landschaftsarchitekt Soeren von Hoerschelmann komponiert einen Gartentraum mit skandinavischem Flair und schafft einen Traumgarten für seine Besitzer.

Das Haus in Schweden ist verkauft, die Sehnsucht bleibt. Skandinavienfans wissen sofort Bescheid: Die Weite, das Versprechen von Freiheit, das allgegenwärtige Wasser – das Licht! Dinge, auf die man schlecht den Finger legen kann, die sich subtil mitteilen und für immer tief in die Seele graben: Eine fröhlich-melancholische Melodie, die uns in diese ganz spezielle Stimmung versetzt.

Nur allzu verständlich, dass sich die Bauherrin mit einem Schwimmteich eine bleibende Erinnerung an das verlorene Paradies in ihren Garten holen wollte. Mit etwa 10.000  qm Fläche, bestanden von großen, alten Bäumen in leicht bewegter Topographie, bot das Grundstück gute Voraussetzungen, um das nordische Lebensgefühl aufleben zu lassen. Und auch der Schwimmteich ist mit seiner Größe von 260 qm Wasserfläche nicht gerade klein geraten. Er hat seinen Platz in der Nähe des Hauses gefunden, inzwischen mit einem Staketenzaun versehen, denn die dritte Generation ist unter das gemeinsame Dach eingezogen. So lädt er zu einem spontanen Sprung ins frische Nass ein und ermöglicht das gesamte Jahr spannende Beobachtungen.

Konsequenterweise ist dies ein Gewässer, das so natürlich wie möglich funktioniert. Lediglich eine sparsame Pumpe sorgt dafür, dass ein unsichtbarer Bodenfilter langsam durchströmt wird. Hier sitzen die Mikroorganismen, die das Wasser klären. Es wird rein biologisch geklärt, ohne mechanischen Filter, UVC-­Lampen oder sonstige technische Einrichtungen. Abgesehen von zwei Skimmern, die, angetrieben von einer weiteren Pumpe, kontinuierlich die Oberfläche absaugen und eine gewisse Grundströmung erzeugen. Die Abdichtung besteht aus einer Folie, die lediglich im Tiefenbereich zu sehen ist und durch ihre dunkelgrüne Farbe sonst kaum auffällt. Dieser 4×8×2 m messende Tiefenbereich hält übrigens die Pflanzen fern, die den weitaus größten Teil des Teiches besiedeln. So kann man ungestört schwimmen. Frösche, Molche und sonstige Wasserbewohner hält dies natürlich nicht davon ab, sich dann und wann mit den Nutzern einen Schwimmwettbewerb zu liefern.

Apropos Pflanzen: Sie haben hauptsächlich eine gestalterische Funktion, zur Reinigung tragen sie kaum bei. Während das Wasser so wenig Nährstoffe wie nur irgend möglich haben soll, um das Algenwachstum im Griff zu behalten, brauchen die Pflanzen genau diese. Daher stehen sie in eigenen Behältern mit einem speziellen Substrat, das bei Bedarf gezielt gedüngt wird. Kies und Findlinge, die passenderweise mit der letzten Eiszeit aus Skandinavien nach Norddeutschland kamen, ergänzen die natürliche Anmutung und binden die Wasserfläche harmonisch in ihre Umgebung ein.

Und genau das macht den Reiz aus: Schon aus rein klimatischen Gründen wird der Schwimmteich nur ein paar Wochen im Jahr genutzt. Hartgesottene, wie die Bauherrin selbst, gehen auch im Frühjahr und Herbst schwimmen. Für Warmduscher ist dies wohl nur im Sommer attraktiv. Während ein herkömmlicher Pool für den Rest des Jahres wie ein vom Himmel gefallenes Ufo wirken würde, erfüllt der Schwimmteich zu jeder Jahreszeit seine Funktion als das Herz des Gartens, in dem das Leben tobt. Und für immer neue, immer andere magische Momente sorgt: Pflanzen treiben aus, blühen und vergehen wieder; Molche laichen, reifen heran und wandern wieder ab; der Wind kräuselt das Wasser; Eis zaubert vergängliche Formen auf seine Oberfläche und das Licht sorgt für wechselnde Stimmungen. Überhaupt das Licht: Zu jeder Jahreszeit anders, mal durch Laub gefiltert, mal hell reflektiert, singt es denen, die hören können, lautlos die Melodie vom hohen Norden. „Wie Musik transportieren Gärten Emotionen, ihre Komposition drückt eine Haltung aus“, so Soeren von Hoerschelmann. Als gelernter Landschaftsgärtner und studierter Landschaftsarchitekt setzte er von Anfang an auf die Kombination beider Ausbildungen. „Mir ist die Orchestrierung neuer Ideen, echten Handwerks und gärtnerischen Wissens eine Herzensangelegenheit.“ Seine Bezeichnung als „Landschaftskomponist” kommt daher nicht von ungefähr.

www.gartenvonhoerschelmann.de

im Herz des Gartens tobt das Leben

Soeren Hörschelmann Garten und Landschaftsarchitekt, Hamburg