02 19 Magazin für Architektur, Garten und Lebensart

Charmantes Kleinod

Gartenkunst auf kleinstem Raum präsentiert Landschaftsarchitekt Clemens Zylka in Köln Marienburg.

Der seit dem späten 19. Jahrhundert angelegte Villenvorort Marienburg im Kölner Süden folgt mit seinen Alleen, großzügig konzipierten Grundstücken und Plätzen den Idealen der englischen Gartenstadtbewegungen. In der Tradition der Stuttgarter Schule entstand 1936 eine Doppelvilla mit weiß getünchter Backsteinfassade in klassizistischer Anmutung. 2015 übernahm die Auftraggeberin das Objekt mit dem Bedürfnis nach einem persönlichen Refugium in der Kulturstadt Köln. Ihr Wunsch: ein Ort der Harmonie sollte geschaffen werden. Hinter dem Gebäude fand sich ein 190qm „kleines“ Gartenkompartiment mit ungepflegter Rasenfläche und einer Einfassung aus etwa drei Meter breiten Kirschlorbeersträuchern, die mehr und mehr den kostbaren Raum der ­Gartenanlage eroberten. Clemens Zylka entdeckte sofort die Potentiale des Areals: Die Gartenrückseite verfügt über eine fast intakte Grünkulisse, die die Nachbarschaftsgebäude vollkommen verdeckt.

Clemens Zylka ist seit vielen Jahren mit der Anlage von Villengärten im großen Maßstab beschäftigt und empfand das Bedürfnis, das kleine Grundstück ohne Einschränkungen und nach allen Regeln der Kunst zur vollsten Zufriedenheit seiner Kundin zu arrangieren. Aus Sicht der Gestalter englischer Landschaftsgärten besteht die Aufgabe darin, alle störenden Elemente des alltäglichen Lebens (wie Nachbargebäude, Straßenschilder, Strom­masten) dem Blickwinkel des Betrachters zu entziehen. Gleichzeitig werden Bäume und Aussichten in näherer Umgebung in die Gestaltung miteinbezogen, die zur optischen Bereicherung der Gartenszenen beitragen. Die Grenzen des rechteckig geschnittenen Geländes werden durch geschickte Bepflanzung derart verschleiert, dass der Garten eine unbegrenzte Ausdehnung suggeriert.

Freie und weit geschwungene Formen der Pflanzbeete und Rasenflächen geben dem Freiraum ein großzügiges, naturhaftes Gepräge. Es kommen Materialien zum Einsatz, die zur Entstehungszeit des Hauses Verwendung gefunden haben könnten: Für die Terrassen werden historisch handgekantete Sandsteinplatten im römischen Verband verlegt. Der kleine Sitzplatz im Vorgarten und die Zufahrt erhalten einen Überwurf aus rheinischem Perlkies. In der Blickachse der zweiflügeligen Sprossenfenster der Villa wird ein Brunnen in den Rasen eingelassen, in dessen Mitte eine kleine Fontäne sprudelt. Denn das Element Wasser spielte in den orientalischen Gärten und dem englischen Landschaftsgarten eine gleichermaßen zentrale Rolle und sollte auch hier nicht fehlen.

In einer zweiten Achse am Gartenende bietet eine hölzerne Gartenbank einen schattigen ­Sitzplatz. Sie lädt zum Verweilen ein und zieht vom Haus aus betrachtet den Fokus auf sich. Eine fein abgestimmte Bepflanzung rundet den Gesamteindruck der Gartenanlage harmonisch ab: Ornamentale Blattstauden wie Meerkohl, Schwertlilien und Farne strahlen Ruhe aus, während gezielt eingesetzte Schlingrosen, Clematis, eine weiße Form der Rispenhortensie und Stauden für saisonale Blütenhöhepunkte sorgen. Und wenn die Auftraggeberin von Clemens Zylka Geburtstag hat, verleihen die blassrosafarbenen Blüten einer japanischen Kirsche dem Garten ein festlich frühlingshaftes Ambiente.

www.zylka-gartenarchitektur.de

Eine Hommage an die englische Gartenkunst

ARCHITEKTUR Johannes van Linn, Köln
GARTENARCHITEKTUR ZYLKA-Gartenarchitektur, Overath
GARTEN- UND LANDSCHAFTSBAU Forster Garten- und Landschaftsbau, Alfter
PFLANZENLIEFERUNG Pflanzenhof Nissen, Wuppertal