01 20 Magazin für Architektur, Garten und Lebensart

Blütenfeuerwerk

600 Quadratmeter Garten ohne Rasen: Gärtner von Eden Reinhard Wahlers schafft ein Reich für viele Pflanzen, Sitzplätze mit eigenem Charakter und beste Bedingungen für lodernde Feuerstellen.

Genau das hatten sich die Gartenbesitzer gewünscht als sie Reinhard Wahlers aus Scheeßel mit ihrem Neubaugarten beauftragten. Überhaupt hatten sie ganz klare Vorstellungen: Ein üppig blühendes Gartenreich, am besten das ganze Jahr über und auf jeden Fall keinen Rasen. „Es war von Anfang an klar, dass der Garten auch Arbeit machen darf“, erzählt Reinhard Wahlers. Das ist bemerkenswert, denn fast immer steht bei den Kunden Pflegeleichtigkeit an erster Stelle. Eine kleine Einschränkung gab es doch: Einige Wochen sollte er in der Urlaubszeit auch ohne Pflege auskommen können.

Mit konkreten Vorgaben ging Wahlers ans Werk und plante für das typisch norddeutsche Klinkerhaus ein abwechslungsreiches Pflanzenparadies. Wie bei allen seinen Projekten widmete er sich auch intensiv der Bodenaufbereitung. „Eine gute Bodenvorbereitung ist das A und O, damit die Pflanzen langfristig üppig gedeihen können“, so Wahlers. „Deshalb wird der Boden zunächst tiefgründig gelockert – bei Neubaugrundstücken, auf denen schwere Baumaschinen unterwegs waren und den Boden stark verdichtet haben, ist das besonders wichtig.“ Anschließend bringt er nährstoffreichen Humus und organischen Langzeitdünger ein, um die frisch gesetzten Pflanzen langfristig mit genügend Nährstoffen zu versorgen. „Diese Arbeit war besonders wichtig, weil der Boden sehr sandig war. Wir haben die Wasserhalteeigenschaften verbessert, um sicherzustellen, dass die Pflanzen auch längere Zeit ohne Gießdurchgang auskommen.“ Außerdem belegte der Gärtner von Eden nach dem Pflanzen die Flächen um die Pflanzen mit einer Schicht Mulch. Die erschwert die Ansiedlung von Wildkräutern, verringert den Pflegeaufwand und reduziert die Oberflächenverdunstung, so dass der Wasserbedarf sinkt.

Doch das ist nur die bautechnische Seite. Diese handwerklich saubere Ausführung ist Voraussetzung dafür, dass der Garten seine ästhetischen Stärken voll ausspielen kann. Wie von den Bauherren gewünscht, plante Reinhard Wahlers insgesamt vier Sitzplätze: Zwei Terrassen erhielten einen Belag aus regionaltypischem Wittmunder Klinker; eine belegte er mit Kies; eine – eher ungewöhnlich, aber charakterstark – mit Holzhackschnitzeln. Zentrales Anliegen war, dass ein Feuerkorb auf allen Sitzplätzen zum Einsatz kommen können sollte. Mal hier, mal dort wollten die Gartenbesitzer das wärmende Feuer entzünden können. Als Hauptplatz für das Feuer hat Wahlers den Sitzplatz mit dem Holzhackschnitzelbelag vorgesehen. Dessen Gestaltungskonzept ist ganz auf die archaische Gemütlichkeit zugeschnitten, die der Feuerkorb mit sich bringt. Als Sitzgelegenheiten, um den Platz zu strukturieren und gegen die umgebenden Beetflächen abzugrenzen, nutzt Wahlers liegende Baumstämme. Sie unterstreichen den robusten Lagerfeuercharakter und verstärken die durch den Bodenbelag hervorgerufene naturnahe Charakteristik des Sitzplatzes.

Damit hebt er sich bewusst vom sonstigen Garten ab, den Wahlers als eher „durchgestylt“ charakterisiert – allerdings nicht im reduziert-architektonischen Sinne, sondern dahingehend, dass hier auf jedes Detail geachtet wurde. Natürlich ist auch der Feuerplatz, der wie die anderen Sitzplätze vom Haus aus gut sichtbar ist, mit großer Liebe zum Detail gestaltet. Und doch wirkt er insgesamt wilder als der restliche Garten – eben ganz passend zum Flair, das eine Feuerstelle in den Garten bringen kann. Bei der Pflanzenauswahl brachte sich die Bauherrin intensiv ein. Eine ganzjährig abwechslungsreiche Blüte war ihr ein besonderes Anliegen. So finden sich heute in den Beeten viele blühfreudige Stauden, aber auch Rosen und Lavendel, viele Immergrüne wie Eibe, Runzelblattschneeball, lusitanischer Kirschlorbeer oder Ilex ‘Blue Angel‘. Hinzu kommen Blütensträucher wie Prachtspiere, Hortensie oder Sommerjasmin. Als Reminiszenz an die Geschichte des Grundstücks verwendete Reinhard Wahlers für die Einfassung verschiedener Beete die noch vorhandenen Fundamentsteine des Hauses, das sich vor dem Neubau auf dem Grundstück befunden hatte.

Eine weitere wichtige Aufgabe für den Garten­gestalter: ein differenziertes Sichtschutzkonzept. An manchen Stellen galt es den Garten möglichst blickdicht gegen die Nachbarbebauung abzuschirmen. Andernorts sollten durchaus noch Aus- aber auch Einblicke möglich sein – letztere vor allem in der dunklen Jahreszeit, um das Haus für Einbrecher unattraktiv zu machen.

So entstand ein ebenso charaktervoller wie abwechslungsreicher Garten mit vielen Nutzungsmöglichkeiten.

www.wahlers-gaerten.de
www.gaertner-von-eden.com

Archaische Gemütlichkeit mit Feuer

PLANUNG Reinhard Wahlers, Scheeßel
AUSFÜHRUNG ALLER ARBEITEN Wahlers Gärtner von Eden, Scheeßel