Harmonische EInheit

2014 war das Jahr des Architekten Holger Kirsch: Er baute für sich und seine Familie ein wunderbares Haus im Kölner Vorort Rath-Heumar und – er wurde in der Session 2014/2015 Prinz Karneval von Köln.

Das Baugrundstück liegt direkt am Waldrand der zu weiten Teilen unter Denkmalschutz stehenden Göttersiedlung und bietet einen traumhaften Blick in alten Baumbestand. Ein kleines, aus den fünfziger Jahren stammendes Wohnhaus musste dem Neubau der Familie Kirsch weichen. Betrachtet man das Wohnhaus von der Straße aus, lässt sich die wahre Größe kaum vermuten. Denn das Gebäude erstreckt sich durch geschickte Verschiebung der Baukörper über mehr als 20 Meter in die Tiefe. Wohnbereiche unterhalb des Geländeniveaus sind über aufwendig gestaltete Lichtgräben in Szene gesetzt. Die kubischen Elemente erwecken den Eindruck von drei ineinander gesteckten Schachteln. Durch die geschickte Höhenstaffelung wird ein harmonisches Ganzes erzeugt. Klare Linien und die gerasterte Fassade unterstreichen die Einfachheit des Erscheinungsbildes.

Mit eher filigranen Fenstern aus Leichtmetall kontrastiert die kraftvolle Klinkerfassade und weckt so bewusst Assoziationen an die klassische Moderne. Der Plan war, einen engen räumlichen Bezug zwischen Innen und Außen herzustellen. Dies gelingt durch großzügige Fensteröffnungen am Ende sämtlicher Blickbeziehungsweise Wegebeziehungen im Gebäudeinneren. Logisch aus dem Entwurfskonzept entwickelt, stellt die Schnittmenge der beiden Hauptkuben die horizontale Erschließungsachse auf allen Ebenen dar – alle Räume beziehungsweise Raumfolgen schmiegen sich an diese Achse an. Hier zeigt sich die Großzügigkeit des Gebäudes: Die Bewohner können die Tiefe des Hauses ohne jegliche Einschränkung in Ost-West-Richtung erleben. Um diese Erschließungsachse herum befinden sich im Erdgeschoss als fließende Raumfolge und in ihrer Dimension nahezu gleichberechtigt, die große Essküche und der nahezu sechs Meter hohe Wohnraum mit offenem Kamin. Das über Wand-, Decken- und Dachausschnitte bewusst geführte Licht im Wechselspiel unterschiedlicher Raumhöhen verleiht dem Zentrum des Hauses einen unverwechselbaren Charakter.

Die Materialien sind auf wenige Elemente reduziert und bewusst zurück­haltend gewählt: Ziegel, Betonwerkstein und Holz wirken warm und lebendig und strahlen in ihrer Gesamtheit Ruhe aus. Der Ziegel verleiht dem Neubau Bodenständigkeit und einen spezifisch baulichen Ausdruck, der es in den Bestand eingliedert – jeder Stein ist einzigartig in Form und Farbe. Die Lebendigkeit des Mauerwerkes sucht den bewussten Kontrast zur ansonsten geradlinigen Haltung der Architektur. Der hier gewählte Petersen D91 im Flensburger Format steht wie kein Zweiter für genau diese Eigenschaften. Der Backstein ist ein 100 Prozent reines Naturprodukt und besteht ausschließlich aus Ton, Sand und Wasser. Es gibt kaum ein anderes Baumaterial, das auf eine so lange Tradition zurückblicken kann. Und Backsteine haben besondere Eigenschaften – warm im Winter, kühl im Sommer. „Unserer Architekturvorstellung waren keinerlei Grenzen gesetzt. Wir konnten unserer Phantasie freien Lauf lassen, um unsere persönliche und individuelle Note innen und außen an der Fassade zu verwirklichen“, erklärt der Bauherr und Architekt Holger Kirsch. Und das ist sehr gelungen.

GELUNGENES
WECHSELSPIEL
UNTERSCHIEDLICHER
RAUMHÖHEN

ARCHITEKT Kirsch Architekten, Köln
LAGE Köln-Rath/Heumar  
BETONARBEITEN Melchior und Keil, Köln
FENSTER 
Metallbau Sturm,  Altenkirchen 
DACH Büdenbedner, Siegen 
AUSSENANLAGEN Thomas Roleff, Bornheim 
PARKETT Böttcher & Meider, Köln 
ELEKTRO Aldenhoven, Köln, und ambiHome, Aachen
SANITÄR Peter Lietz, Köln
KRAGARMTREPPE Spitzbart Treppen, Oberasbach
GLASER INNEN Saint-Gobain Glassolutions, Köln
BETON-CIREARBEITEN einwandfrei, Köln
POOL Colonia Pool, Köln
FLIESEN Fliesen Dreikorn, Overath
KÜCHE Wohnwelt Köln, Köln